April 2018: Max Jung

Geboren am 4. März 1969, schloss Marcus „Max“ Jung im Alter von 25 Jahren sein Studium der Sportwissenschaften als Diplom-Sportlehrer ab. Max Jungs Karriere als Sportjournalist begann als freier Mitarbeiter in der Redaktion der Sportschau des WDR. Nach einem fünfjährigen Engagement bei RTL wechselte Max Jung als Fussballredaktionsleiter zur Premiere AG (heute Sky Deutschland). Bei der Fussball-Weltmeisterschaft 2002, 2006 und 2010 war er jeweils der verantwortliche Redakteur rund um die deutsche Fussball-Nationalmannschaft. Im Sommer 2012 wechselte Max Jung für drei Jahre zum VfB Stuttgart, wo er zunächst als Direktor für Medien und Kommunikation, später als Direktor Sport tätig war. Nach seinem Engagement beim VfB absolvierte er das CAS Sportmanagement 2015 und ist nun seit September 2016 Leiter Kommunikation und Medien beim Hauptstadtklub.

Frage 1: Herr Jung, Sie haben im Juni 2015 den Sportmanagement-Lehrgang erfolgreich abgeschlossen. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dieser Weiterbildung?

Sehr positive. Einerseits wurden interessante Inhalte auf höchstem Niveau und dazu noch sehr unterhaltsam vermittelt. Andererseits habe ich in diesen Wochen viele interessante Menschen aus unterschiedlichen Bereichen kennenlernen dürfen. Es hat riesigen Spass gemacht, bei der ersten Durchführung des Studiengangs dabei zu sein.

Frage 2: Sie hatten in jüngeren Jahren ein Studium der Sportwissenschaften als Diplom-Sportlehrer abgeschlossen. Nun haben Sie die Management-Weiterbildung an der Universität St. Gallen absolviert. Was hat Sie dazu bewogen?

Es ging mir in erster Linie um Horizonterweiterung und gezielte Inputs zum Thema Sportmanagement. Ich habe mich informiert, wo genau so etwas angeboten wird und habe mich aufgrund des sehr guten Rufs bewusst für die Universität St. Gallen (HSG) entschieden.

Frage 3: Als Fussballtrainer erlangten Sie die A-Lizenz des DFB. Zudem sind Sie als Trainer der Deutschen Studentennationalmannschaft regelmässig für den DFB unterwegs. Wie können wir uns dieses Engagement vorstellen?

Die Studentennationalmannschaft ist eine Mannschaft, die als Botschafter und Repräsentant des DFB und des deutschen Fussballs im Schnitt alle zwei Jahre in verschiedene Kooperationsländer des DFB reist. Die Mannschaft wird rekrutiert aus Studenten, die in möglichst hohen Ligen spielen, die aber den Sprung zum Profi nicht oder noch nicht geschafft haben und sich nicht alleine auf den Fussball als möglichen Beruf verlassen möchten. Ich bin bei diesen Reisen mit meinem Assistenten für den sportlichen Teil verantwortlich. Dadurch durfte ich schon viele interessante Länder der Erde bereisen. Das waren allesamt bleibende Eindrücke und auch absolute sportliche Highlights.

Frage 4: Sie waren mehrere Jahre Fussballredaktionsleiter von Premiere bzw. Sky Deutschland. Welche Tätigkeiten brachte das mit sich?

Ich durfte in diesen Jahren die Redaktion und unser Programm aktiv mitgestalten. Dies umfasste die Personalführung, aber auch die kontinuierliche Weiterentwicklung des Programms und damit verbunden das Ausprobieren von neuen Ideen. Darüber hinaus habe ich selbst als Sendeleiter Sendungen aus dem Übertragungswagen verantwortet und war als Live-Kommentator und Interviewer aktiv. Das waren herausragende Jahre.

Frage 5: Sie sind seit September 2016 Leiter Kommunikation und Medien bei Hertha BSC. Wie kam es dazu?

Nach meiner Zeit beim VfB Stuttgart und dem CAS an der Uni St. Gallen gab es immer wieder Kontakt in die Bundesliga und zum TV, aber ich hatte mich zunächst dazu entschlossen, meine Erfahrungen im Bereich Medien- & Öffentlichkeitsarbeit als Selbständiger im Markt anzubieten. Demzufolge gründete ich mj-sportconsulting (www.mj-sportconsulting.de). Irgendwann kam aber der Anruf aus Berlin und beide Seiten haben schnell festgestellt, dass eine Zusammenarbeit erfolgreich sein könnte. Eine ausserordentlich spannende Herausforderung in der Hauptstadt Deutschlands.

Frage 6: Welche Eigenheiten ergeben sich Ihrer Ansicht nach in der Kommunikation bei Fussballvereinen im Vergleich zur Kommunikation bei Unternehmen in der Privatwirtschaft?

Aus meiner Sicht ist es in erster Linie die Emotionalität des Fussballs, die den grossen Unterschied ausmacht. Viele Unternehmen versuchen in der Kommunikation ihr Produkt mit Emotionen aufzuladen, um bei den Kunden eine Bindung herzustellen. Fussball ist per se mit riesigen Emotionen verbunden. Das hat nicht nur Vorteile, denn je emotionaler ein Thema ist, desto emotionaler sind auch die Reaktionen.

Frage 7: Die Social Media-Plattformen sind heutzutage der zentrale Kommunikationskanal der Vereine. Was muss man im Umgang mit Facebook & Co. speziell beachten?

Sicher gibt es auch hier die Schattenseiten. Aber grundsätzlich bietet die digitale Welt grosse Chancen. Und ich bin ein Typ Mensch, der in erster Linie die Potenziale sieht. Die Welt ist im Wandel. Und man hat zwei Möglichkeiten: Entweder lässt man den Wandel über sich ergehen und sagt sich, dass früher alles besser war, oder man versucht diesen Wandel aktiv mitzugestalten. Konkret heisst dies das plattformgerechte Aufbereiten der eigenen Inhalte, aber auch die Sensibilisierung der Mitarbeiter und vor allem der Spieler für die Gefahren der sozialen Medien.

Frage 8: Welches sind die Themen die Sie bzw. Ihre Mitarbeiter von der Kommunikations- und Medienabteilung aktuell beschäftigen?

Momentan stehen vor allem das Bewegtbild und die Internationalisierung im Fokus. Welche Inhalte, wie aufbereitet, für welchen Kanal? Wie können und wollen wir international agieren? Das sind spannende Fragen, auf die man als Verein eine Antwort haben muss.

Frage 9: Welches Erfolge konnte Ihre Abteilung in jüngster Vergangenheit verzeichnen?

Hertha hat sich auch neben dem Platz zum Ziel gesetzt, eine neue Haltung im gesamten Verein zu leben. Das geht einher mit einer deutlich veränderten Aussendarstellung: frischer, mutiger, frecher, selbstironisch, witzig. Die fast 125-jährige Geschichte von Hertha war ein ständiges Auf und Ab. Ideen mutig umsetzen und falls sie misslingen, daraus zu lernen und einen neuen mutigen Versuch zu wagen. Und genau diese Haltung steht auch im Mittelpunkt unserer Aussendarstellung. Das wird weit über die Stadtgrenzen Berlins schon nach kurzer Zeit wahrgenommen. Es wird mehr über Hertha BSC gesprochen als zuvor. Dazu hat sicherlich auch die Kommunikationsabteilung beigetragen.

Frage 10: Welche Erkenntnisse/Inhalte des Studiums können Sie besonders gut im beruflichen Alltag gebrauchen?

Ich konnte extrem viel von dem Studium mitnehmen: Zum Beispiel wie man zeitgemäss führt, strategisches Denken und Handeln, oder die Vermarktung im Sportbereich. Und bei der Pressekonferenz unseres Finanzgeschäftsführers sitze ich jetzt auch mit einem besseren Hintergrundwissen dabei.

Frage 11: Beim VfB Stuttgart waren Sie unter anderem auch „Direktor Sport“ – eine Funktion, die Sie sich persönlich bei der Hertha zukünftig auch vorstellen können?

Diese Position ist beim VfB Stuttgart seinerzeit daraus entstanden, dass der Vorstand diverse Tätigkeitsfelder ausgemacht hat, die einer intensiveren Bearbeitung bedurften. Das waren in erster Linie Themen konzeptioneller Art und weniger das Tagesgeschäft betreffend. Durch meine Erfahrungen aus dem Bereich Medien, meinen sportlichen Background und meinen Abschluss als Diplomsportlehrer war diese Aufgabe sehr reizvoll. Aber das Thema stellt sich hier bei Hertha nicht.

 

Vielen Dank für das spannende Interview!