August 2018: Thomas Galewski

Thomas Galewski wollte als Kind selbst Profifussballer werden. Aus einer Profikarriere wurde aber nichts, denn verschiedene Verletzungen warfen ihn immer wieder zurück. Die Leidenschaft für den Sport blieb aber bestehen. Nach dem Abitur führte sein Weg an die Ruhr Universität Bochum, wo er 2010 den Sportmanagement-Bachelor erfolgreich abschloss. Im Alter von 25 Jahren erhielt er bereits die DFB Spielervermittlerlizenz. Im gleichen Jahr erlangte er auch die UEFA Match Agent-Lizenz. Noch während seines Studiums sammelte Thomas Galewski in Form eines Praktikums erste Erfahrungen in der Sportberatung. Anschliessend gründete er die Stars Discovery GmbH – ein Unternehmen, das sich schwerpunktmässig auf die Beratung von Spielern und die Organisation von Sportevents und Trainingslagern spezialisiert. Nächstes Jahr feiert Stars Discovery bereits sein 10-jähriges Bestehen, wobei Thomas Galewski noch weitere Beratungsprojekte im Sportbereich vorantreibt.

 

Frage 1: Thomas Galewski, im kommenden Jahr feiert Ihre Agentur bereits das 10-jährige Bestehen. Wie lautet das persönliche Fazit nach knapp zehn Jahren Stars Discovery GmbH?

Die ersten Schritte waren mit Sicherheit nicht einfach, aber das war zu erwarten. Nach einigen Jahren hat man sich aber ein gewisses Netzwerk aufgebaut und vor allem durch diverse Kooperationen Partner gefunden, wo gegenseitiges Vertrauen herrscht, um erfolgreich Spieler zu vermitteln. Nichtsdestotrotz ist es ein sehr hart umkämpfter Markt.

 

Frage 2: Mit welchen Tätigkeiten beschäftigt sich ein Geschäftsführer einer Spielerberatungsagentur?

Die Tätigkeiten sind breit gefächert. Die zentrale Aufgabe ist sicherlich der Aufbau von vertrauensvollen Beziehungen zu den Vereinen, Verantwortlichen und Spielern. Eine besondere Wichtigkeit besitzt die ganze Betreuung der Spieler. Das geht von der Wohnungssuche bis hin zur Hilfe bei Alltagsfragen. Dazu gehören aber auch die Gespräche mit den Eltern und Trainern. Eine weitere wichtige Tätigkeit eines Spielerberaters ist die Beobachtung des Marktes und vor allem das Scouting von neuen Spielern. Will man als Spielerberater erfolgreich sein, muss man sich auch an die Märkte anpassen können – siehe das Beispiel Asien. Des Weiteren ist die Pflege des Netzwerks erfolgsentscheidend – wer keine guten Kontakte hat, wird als Spielerberater sehr wahrscheinlich scheitern.

Unsere Agentur beschäftigt sich zudem intensiv mit der Vermarktung der Spieler – von der Betreuung der Social-Media-Kanäle bis hin zu Sponsoring-Projekten. Diese Projekte dienen als zweites Standbein neben der reinen Spielervermittlung.

 

Frage 3: Sie erhielten die DFB Spielervermittlerlizenz bereits im Alter von 25 Jahren. Was war Ihr Beweggrund, diese Lizenz bereits in diesem jungen Alter zu erlangen?

Damals war die Erlangung der Spielervermittlerlizenz noch notwendige Bedingung um in diesem Geschäft tätig zu werden. Ich bin immer noch der festen Überzeugung, dass dies eine gute Sache war (Anm. d. Red.: Die FIFA schaffte im März 2015 das geltende Lizenzierungsverfahren für Spielervermittler ab). Sie dient als Ausbildungsmerkmal und zeigt auch, dass man sich mit dem Thema intensiv auseinandergesetzt hat.

 

Frage 4: Sie betreuen diverse Spieler aus dem Nahen Osten. Wie kam es dazu?

Ich konnte mir durch einzelne Marketingprojekte ein gutes Netzwerk im Nahen Osten aufbauen. Aufgrund dieses Partnernetzwerks erhielt ich Zugang zu den führenden Vereinen im Nahen Osten, insbesondere in Saudi Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. So vermarkte ich beispielsweise Omar Abdulrahman, den aktuell wertvollsten Spieler (gemäss Transfermarkt.de) der Nationalmannschaft der Vereinigten Arabischen Emirate, in gewissen Regionen.

 

Frage 5: Haben Sie schon Transfers getätigt, bei denen Sie persönlich ein ungutes Gefühl hatten?

Nein, obwohl es wahrscheinlich finanziell lukrativ gewesen wäre. Ich achte darauf, dass die sportliche Perspektive für den Spieler passt und auch der finanzielle Rahmen gesichert ist. Das ist in Europa meist kein Problem, aber im Nahen Osten gibt es leider vereinzelt unseriöse Vereine. Als Berater muss man von Vereinen mit einer schlechten Zahlugsmoral gewarnt sein. Deshalb ist es mir wichtig, dass sowohl der Spieler als auch ich als Berater ein gutes Gefühl haben und wir der Meinung sind, dass es sportlich, finanziell und auch hinsichtlich der Lebensqualität passt.

 

Frage 6: Welche Kompetenzen bzw. Befugnisse bringt die UEFA Match Agent-Lizenz mit sich?

Die UEFA Match Agent-Lizenz berechtigt dazu, nationale und internationale Freundschaftsspiele zu organisieren – beispielsweise Freundschaftsspiele in Trainingslagern oder Testspiele von Nationalmannschaften.

 

Frage 7: Bevor Sie Ihre eigene Agentur gründeten, erhielten Sie erste Einblicke im Rahmen eines Praktikums bei einem renommierten Spielerberater. Welche Erkenntnisse konnten Sie damals gewinnen?

Um ehrlich zu sein waren diese Einblicke limitiert. In der Spielerberaterbranche ist ein Praktikum nicht üblich, da jeder Agent Angst hat seine Klienten weiterzugeben. Klar konnte ich einige Eindrücke gewinnen, aber mir wurde wenig Verantwortung übertragen, sodass sich die Erkenntnisse in Grenzen hielten.

 

Frage 8: Sie hatten in jüngeren Jahren mit Ihrem Bachelor eine „Erstausbildung“ in Sportmanagement abgeschlossen. Worin lag Ihre persönliche Motivation, noch eine Weiterbildung im Sportmanagement-Bereich zu absolvieren?

Ich wollte mein Wissen vertiefen und insbesondere internationale Erfahrungen sammeln. Die Weiterbildung an der Universität St. Gallen war auf jeden Fall viel praxisnaher als die Erstausbildung. Durch die Lehrinhalte konnte ich viele neue Ideen für meinen Berufsalltag generieren und vor allem sehr spannende Leute kennenlernen. Zudem ist ein Abschluss an einer der führenden Hochschule in Europa sicherlich auch keine schlechte Sache.

 

Frage 9: Sie waren Teil der ersten Durchführung der Sportmanagement-Weiterbildung. Was war im ersten Lehrgang vielleicht noch nicht so, wie Sie sich es vorgestellt haben?

Insgesamt wurden meine Erwartungen übertroffen. Es war ein intensiver und interessanter Austausch unter Sportmanagern mit unterschiedlichen Backgrounds und einer grossen internationalen Erfahrung. Für mich waren die Praxisbeispiele aus dem Fussball von besonderem Interesse. Da mein Herz für Fussball schlägt, hätten diese Beispiele durchaus noch ausführlicher ausfallen können – aber handkehrum ist es auch spannend Einblicke in das Management von anderen Sportarten zu bekommen.

 

Frage 10: Abschliessende Frage: Sie nennen den Raum Düsseldorf Ihr zu Hause – eine Region mit vielen renommierten Vereinen. Welcher ist Ihr Lieblingsverein in Nordrhein-Westfalen?

Ich habe nicht „den Lieblingsverein“, weder im Raum Düsseldorf noch sonst irgendwo. Ich unterstütze und liebe guten technischen, offensivfreudigen Fussball und halte zu den Vereinen, bei denen ich die Spieler, Trainer oder Verantwortlichen kenne.

 

Vielen Dank für die interessanten Einblicke, Herr Galewski!