Dezember 2018: Michael Gspurning

Der dreifache österreichische Nationalspieler ist seit August 2016 beim 1. FC Union Berlin unter Vertrag. Noch vor Ablauf seines Spielervertrags übernahm er mehr und mehr die Rolle als Coach und wechselte dann von der Spieler- auf die Torwart-Trainerbank bei Union Berlin.

Der ehemalige Torhüter startete seine Karriere in Österreich. Im Alter von 26 Jahren zog es ihn nach Griechenland, wo er fünf Jahre (2007 – 2012) das Tor von Skoda Xanthi hütete. Anschliessend setzte er seine Karriere in den Vereinigten Staaten bei den Seattle Sounders (2012 – 2014) fort. Nach seinem zweijährigen Engagement in Seattle ging Michael Gspurning nochmals kurz zurück nach Griechenland (u. a. PAOK Saloniki) und gelangte dann im Januar 2015 zum FC Schalke 04. Dort blieb er für eineinhalb Jahre und wechselte im Sommer 2016 zu den „Eisernen“ nach Berlin, wo er einen Spielervertrag bis im Sommer 2018 unterschrieb. Noch als aktiver Spieler besuchte er diverse Weiterbildungen – u. a. das CAS Sportmanagement 2016.

Frage 1: Sie haben im Juli 2016 den Sportmanagement-Lehrgang erfolgreich abgeschlossen. Können Sie sich noch an den ersten Studientag in St. Gallen erinnern?

Es war ein besonderes Gefühl. Alleine schon die Anreise ins wunderschöne St. Gallen. Interessant war sofort, wie schnell man Kontakte knüpfen und über wie viele Themen man sich austauschen konnte. Vom ersten Moment an waren wir vom Vortrag von Prof. Dr. Wolfgang Jenewein gefesselt. Ich persönlich konnte gar nicht glauben, wie schnell der erste Tag dann auch schon vorbei war.

Frage 2: Wieso haben Sie sich für das Sportmanagement-Studium an der HSG entschieden?

Für mich persönlich stand eine entscheidende Veränderung an – vom aktiven Profisport in das „Leben danach“. Aus diesem Grund fand ich, dass mir der CAS Sportmanagement-Lehrgang der HSG durch seine hohe Qualität und der damit einhergehenden Kontakte eine perfekte Chance bot, mein Wissen und meinen Horizont zu erweitern.

Frage 3: Was hat das Studium in Ihnen entfacht? Wurden Sie in irgendeiner Weise angeregt, neue Projekte umzusetzen?

Ich habe den Sportmanagement-Lehrgang an einem mir sehr bedeutenden Lebensabschnitt absolviert. Der Lehrgang bestärkte mich in meinem Entschluss, auch nach meiner aktiven Profikarriere im Sportbusiness tätig zu sein. Des Weiteren helfen mir die Inhalte des Kurses für meine persönlichen Anliegen. Das erlernte Wissen kann ich in der täglichen Arbeit bei Union gut umsetzen.

Frage 4: Wie war der Umgang unter den Kommilitonen und mit den Lehrenden?

Ich habe höchsten Respekt davor, wie die Vortragenden es immer wieder geschafft haben, den Studierenden von morgens bis abends den Lehrstoff näher zu bringen, ohne dass die Spannung oder das Interesse nachgelassen hat. Der Umgang unter den Kommilitonen war sehr gut. Eigentlich überraschend, wenn man die Heterogenität der Gruppe berücksichtigt. Es haben sich Bekanntschaften und Verbindungen entwickelt, die man als Freundschaften bezeichnen kann. Die Anzahl derer, mit denen ich Kontakt halte, übersteigt bei weitem meine Hoffnungen und Erwartungen.

Frage 5: Gibt es Inhalte des Lehrgangs, die Sie auch schon in Ihrem Alltag als Profifussballer anwenden können?

Absolut. Nur schon wenn ich an meinen Vertrag denke, den ich bei Union Berlin unterschrieben habe. Aufgrund meines Wissens war ich in der Lage, die einzelnen Vertragsinhalte persönlich abzuklären. Dabei war der Modultag „Verhandlungstechnik und –taktik“ bei Dr. Klaus Lassert sicherlich sehr wertvoll. Nicht, dass ich mit der Arbeit meines Agenten nicht zufrieden war, aber im Endeffekt weiss ich selbst am besten, welche Punkte mir wichtig sind.

Frage 6: Gibt es einzelne Modultage, die besonders wertvoll für Ihre „Karriere danach“ sind?

Eine Frage, die nicht einfach zu beantworten ist. Es ist schwer, einzelne Punkte hervorzuheben. Die verschiedenen Module ergeben ein perfektes Ganzes und jeder Kurstag war qualitativ hochwertig und sinnvoll. Uns allen wurde bewusst, wie komplex das Feld „Sportmanagement“ ist.

Frage 7: Wem empfehlen Sie den Studiengang?

Jedem, der im Bereich Sportmanagement tätig ist bzw. werden möchte, unabhängig vom genauen Aufgabengebiet. Der Kurs umfasst alle wichtigen Komponenten, die nötig sind, um erfolgreich zu sein. Wie man auch bei unserer Klasse sieht, kann es für jeden, der mit der Sportindustrie intensiv zu tun hat, von großem Interesse sein, diesen Kurs zu besuchen.

Frage 8: Wie hat es sich ergeben, dass Sie beim 1. FC Union Berlin als Spieler in der Winterpause nahtlos einen Vertrag als Torwarttrainer bekommen haben?

Ich habe bei Union in dem Wissen unterschrieben, die zwei jüngeren Torhüter zu unterstützen und notfalls da zu sein. Mit dieser Rolle konnte ich mich zu 100 % identifizieren und genoss die Vorzüge, die sie mir bot. Ich konnte aktiv Fussball spielen und mich trotzdem auf die zweite Karriere vorbereiten. Ich hatte zudem die Möglichkeit, weitere Erfahrungen im Torwarttrainerbereich zu sammeln, da ich die Nachwuchstorhüter des Klubs trainierte. Mein Spielervertrag wäre noch bis zum Sommer 2018 gelaufen. Ich habe den Klub bereits zuvor in Kenntnis gesetzt, dass ich mein Karriereende als Torwart plane. Dann ist viel passiert mit dem Trainerwechsel, was sich kein Verein wünscht. In der Zeit wurde ich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, Torwarttrainer zu werden

Frage 9: Sie sind nun seit fast einem Jahr Head of Goalkeeping & Torwarttrainer bei Union Berlin. Was hat sich für Sie geändert?

Als Spieler würde ich nach dem Training einfach nach Hause gehen, mich von der körperlichen Belastung erholen. Als Trainer geht der Arbeitstag bis 22, 23 Uhr. Ich fange auch morgens früher an, um den Tag zu planen – Trainingsdokumentation, Besprechungen, etc..

Frage 10: Nach einer durchwachsenen Rückrunde in der Saison 2017/2018 steht die Union mit dem neuen Trainer Urs Fischer nun auf einem Aufstiegsplatz. Wo geht die Reise in dieser Saison noch hin?

Das ist meine Lieblingsfrage (lacht). Selbstverständlich geniessen wir diese Momentaufnahme und würden nicht „Nein“ sagen, wenn wir nächsten Mai immer noch so gut klassiert sind, aber es bleibt uns aktuell nichts anderes übrig, als Spiel um Spiel zu nehmen.

 

Vielen Dank für das interessante Gespräch!