Februar 2018: Christoph Graf

Christoph Graf ist in der Schweizer Sportbranche ein bekannter Name. Nach seinem Maturaabschluss studierte er an der Universität Zürich Geschichte mit Politologie, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte in den Nebenfächern. Bereits während seines Studiums sammelte er beim Tages-Anzeiger und bei der SonntagsZeitung erste Erfahrungen als Sportjournalist. Auch nach seinem Studium blieb Christoph Graf dem Journalismus erhalten und wurde zum Ressortleiter der Sportredaktion des TagesAnzeigers befördert. Im November 1995 wechselte er als stellvertretender Sportchef zum Blick und blieb bis Ende 2004 dort. Von 2005 bis 2011 war Graf Co-Präsident des Verwaltungsrats und Managing Director bei der Athleten-Management-Firma 4sports & Entertainment AG in Baar. Während dieser Zeit erlangte er den Status als „Certified Player Agent NHLPA“ (Eishockey-Agent NHL) und als „Lizenzierter Spielervermittler SFV“, wobei letzterer Status 2015 durch die FIFA abgeschafft wurde.

Den Schwerpunkt seiner Arbeit richtete Graf vermehrt auf die Betreuung von Sportlern und so kam es, dass er im Mai 2011 seine eigene Firma (Graf Sports International) gründete, die sich auf die Vermittlung von Fussball- und Eishockey-Professionals sowie auf Beratungen im internationalen Sportbusiness spezialisiert.

Frage 1: Herr Graf, wie dürfen wir uns einen „normalen“ Arbeitstag als Spielervermittler vorstellen?

Gibt es einen normalen Arbeitstag? Nicht unbedingt. Aber es gibt verschiedene Bausteine, die sich je nach Saison und jeweiligem Schwerpunkt anders zusammensetzen: Meetings zur Kundenakquisition, wobei bei jungen Spielern den Eltern eine entscheidende Rolle zukommt, Updates mit bestehenden Kunden via Telefon oder unter vier Augen, Karriereplanung für Spieler, Termine bei Klubs, konkrete Vertragsverhandlungen, das Klären von juristischen Fragen bei Verträgen, das Erspüren von Marktbedürfnissen bei Vereinen und Spielern, Mediation bei Problemen eines Spielers mit dem Klub oder Trainer, Öffentlichkeitsarbeit für das Image des Spielers, Austausch mit den Medien falls nötig und wichtig, Besuch von Spielen, Scouting im Stadion, Scouting via Internet und die entsprechenden Tools, seien das Statistiken oder Videoaufnahmen. Die Basis ist immer, dass man gut informiert ist.

Frage 2: Sie waren lange im Journalismus tätig. Wie kam es dazu, dass Sie nun Spielervermittler sind?

Der Journalismus und die Führungsrolle, die ich dabei innehatte, haben mir bis zum letzten Arbeitstag viel Spass bereitet. Ich war ein Journalist aus Leidenschaft. Aber ich sah nach der Jahrtausendwende die negativen Entwicklungen und die Sparübungen im Printbereich kommen. Dann ergab sich die Chance, im Sportmanagement eine Firma aufzubauen. Das hat mich sehr gereizt. Manchmal fehlt mir das Schreiben. Das muss ich zugeben.

Frage 3: Als einer der wenigen Vermittler in der Branche, beraten Sie neben Fussballern auch Eishockeyspieler und besitzen deshalb auch den Status als Certified Player Agent NHLPA (Eishockey-Agent NHL) – eine eher aussergewöhnliche Kombination?

Das kann man sagen. Aber ich darf behaupten, dass ich mich in beiden Sportarten auskenne und über vertiefte Kenntnisse und ein gutes Kontaktnetz verfüge. Einige Mechanismen sind ziemlich ähnlich im Fussball und im Eishockey. Ausserdem muss ich erwähnen, dass ich im Eishockey für Nordamerika einen sehr starken Partner habe – die Newport-Gruppe in Toronto, die in den nordamerikanischen Teamsportarten, obwohl nur im Eishockey aktiv, die erfolgreichste Agentur überhaupt ist.

Frage 4: Sie sind zudem Vizepräsident der Schweizer Vereinigung für Spielervermittler (SFAA – Swiss Football Agents Association). Welche Tätigkeit bringt das mit sich?

Die SFAA ist im Grunde genommen ein Berufsverband. Wir haben ihn ins Leben gerufen, als sich abzeichnete, dass die FIFA die Lizenzierung der Agenten abschaffen würde. Unser Fokus ist darauf gerichtet, die Qualität der Arbeit unserer Mitglieder auf einem hohen professionellen wie auch ethischen Standard zu halten. Wir organisieren regelmässig Weiterbildungsseminare. Zudem wollen wir ein Orientierungspunkt für Eltern sein, die einen Agenten für ihren Sohn suchen. Und nicht zu vergessen: Wir vertreten die Interessen unseres Berufsstandes gegenüber Verband, Liga und Klubs.

Frage 5: Sie haben im Juli 2016 den Sportmanagement-Lehrgang erfolgreich abgeschlossen. Was bewog einen so erfahrenen Mann wie Sie dazu, nochmals die Schulbank zu drücken?

Ich bin der festen Überzeugung, dass man, unabhängig von Alter und Erfahrung, immer Neues lernen und Althergebrachtes in Frage stellen oder überdenken muss. Für mich war diese Weiterbildung eine Bereicherung. Das Programm ist qualitativ exzellent, und ich kann jedem „Sportmanager“ die Teilnahme wärmstens empfehlen.

Frage 6: Was hat die Weiterbildung in Ihnen entfacht? Wurden Sie in irgendeiner Weise angeregt, neue Projekte umzusetzen?

Die Projekte sind die gleichen wie zuvor. Aber ich habe bestimmt wertvolle Inputs erhalten, um meine Arbeitsmethodik in einigen Bereichen zu verfeinern.

Frage 7: Die FIFA schaffte 2015 die Lizenz als Spielervermittler ab. Konnte man in Ihrer Branche Auswirkungen spüren?

Es ist für absolute Anfänger oder Unwissende leichter geworden, als Agent aktiv zu sein. Aber früher oder später werden jene, denen das Fachwissen und die Beziehungen fehlen, bestimmt scheitern. Ich bedaure die Spieler, die auf solche Leute reinfallen.

Frage 8: Spielervermittler müssen im Millionengeschäft „Profifussball“ mitunter um ihren guten Ruf kämpfen. Was macht Ihres Erachtens einen guten Spielervermittler aus?

Fachwissen, Kenntnisse der Reglemente, eine gute Einschätzung der Perspektiven eines Spielers, ein grosses Kontaktnetz, überzeugende Rhetorik, Erfahrung und auch die Einhaltung von ethischen Standards, selbst wenn es eine sehr harte und vor allem hart umkämpfte Branche ist.

Frage 9: Im Schweizer Eishockey ist die Vermittlung von Spielern nicht mehr lukrativ – vor der Saison 2016/17 beschlossen die 22 Nationalliga-Klubs an einer Versammlung, dass die Spieler die Provisionen ihrer Agenten in Zukunft aus der eigenen Tasche bezahlen müssen. Auch für Sie ein „Game Changer“?

Die Spieler zahlen mittlerweile die Agent Fee, wenn sie einen Agenten beanspruchen. Und das tut eine grosse Mehrheit. Ich bin aber nicht sicher, ob die ganze Geschichte für die Klubs billiger geworden ist, so wie sie es sich erhofft haben. Denn der Agent addiert das, was er vom Spieler holt, beim Klub auf den Lohn drauf – und da gibt es zusätzliche Aufwendungen bezüglich Lohnnebenkosten, Steuerprogression und Mehrwertsteuer. Was die Vereine beschlossen haben, ist nicht durchdacht.

Frage 10: Was würden Sie vor dem Hintergrund Ihrer Erfahrungen in der Athletenbetreuung aktiven Sportlern im Hinblick auf ihre Karriere nach der Karriere mit auf den Weg geben?

Man muss sich der Angst – und die haben viele – vor dem Karriereende, schon während der Laufbahn stellen und sich mit ihr auseinandersetzen. Was wird das heissen für mich: privat, psychisch, körperlich, beruflich, finanziell? Ich habe ja bereits erwähnt, dass ich ein Verfechter der ständigen persönlichen Weiterbildung bin. Nur kann man niemanden dazu zwingen. Es kann höchstens versucht werden, den inneren Antrieb zu stimulieren.

 

Vielen Dank für das spannende Interview, Herr Graf!