Juli 2018: Corinne Bernegger

Corinne Bernegger ist eine der fünf Frauen, die sich zur Pionierklasse des CAS Sportmanagement-Lehrgangs zählen darf. Nach ihrer Lehre bei der Bank Julius Bär blieb Corinne Bernegger im Private Banking-Bereich, wo unter anderem die finanzielle Beratung von Sportlern zu ihrem „Daily Business“ gehörten. Die Leidenschaft zum Sport begleitete sie auch bei ihrer nachfolgenden Stelle bei der International Football Arena Ltd und der Onegoal Ltd. Players Agency. Im Juni 2015 schloss sie dann erfolgreich den Weiterbildungslehrgang zur zertifizierten Sportmanagerin HSG ab. Seit dem Februar 2016 ist Corinne Bernegger nun bei der FIFA tätig und wurde nach einem halben Jahr als Event Managerin zur persönlichen Assistentin des stellvertretenden Generalsekretärs des Bereichs „Football“ Zvonimir Boban ernannt.

Frage 1: Corinne Bernegger, seit dem Sportmanagement-Studium an der Universität St. Gallen hat sich beruflich einiges getan für Sie. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit der Weiterbildung, die Sie im Juni 2015 abgeschlossen haben?

Ich verbinde viele positive Erinnerungen mit der Weiterbildung. Ich konnte von den Referenten unheimlich viel profitieren. Genau so lehrreich war aber auch der Austausch mit den Kommilitonen im Rahmen der verschiedenen Gruppenarbeiten. Zudem erinnere ich mich auch sehr gerne an die tollen Abendevents im Anschluss an die Kurstage.

Frage 2: Halten Sie noch den Kontakt zu Studienkollegen von dem Lehrgang?

Ich habe regelmässigen Kontakt mit einigen meiner Studienkollegen – mit manchen ist sogar eine Freundschaft entstanden. Den Austausch unter den Mitstudierenden empfand ich schon während des Studienganges als sehr bereichernd. Aufgrund dessen, dass ich jetzt bei der FIFA tätig bin, gibt es immer wieder Überschneidungen und man trifft sich im Rahmen der beruflichen Tätigkeit. Ich denke gerne an die Zeit zurück und freue mich jeweils sehr auf die Alumni-Treffen.

Frage 3: Ihre ersten Berufserfahrungen haben Sie im Private Banking-Bereich gesammelt. Wie kam es dazu, dass Sie nun bei der FIFA sind?

Bereits im Private Banking habe ich erste Erfahrungen im Sportbusiness gesammelt. Während rund fünf Jahren habe ich im Sports & Entertainment Desk gearbeitet. Unsere Hauptaufgabe war es, Privatkunden aus dem Sport- und Entertainment Bereich zu beraten. Als ich das Angebot erhalten hatte, zur International Football Arena (IFA) zu wechseln (die IFA organisiert internationale high-level Konferenzen im Bereich „Business of Football“), habe ich dieses angenommen und so den Branchenwechsel vollzogen. Die IFA war eine hervorragende Plattform, um Einsicht in das Sportbusiness zu bekommen. Meine Aufgabe war es, Sponsoren zu betreuen und zusammen mit dem Team Themen für die Konferenzen zu erarbeiten. Dadurch konnte ich mein Netzwerk erweitern und sehr interessante Kontakte knüpfen. Als ich mich entschieden habe, die IFA zu verlassen, gab es verschiedene spannende Möglichkeiten. Die Entscheidung fiel mir nicht leicht. Ich habe mich dann für die FIFA entschieden. Für mich war entscheidend, dass bei der FIFA ein Wandel stattfindet (u. a. durch den neuen Präsidenten) und man etwas bewegen kann. Ich empfand es als sehr spannenden Zeitpunkt um zur FIFA zu wechseln.

Frage 4: Die finanzielle Beratung von Sportlern bzw. die Finanzplanung über die aktive Karriere hinaus gewinnt zunehmend an Bedeutung. Welche Erfahrungen konnten Sie im Rahmen Ihrer Tätigkeit in der Bankenbranche sammeln?

Ich habe in dieser Zeit sehr viel darüber gelernt, wie ein Fussballspieler funktioniert, wie ein Transfer abläuft und welchen Einfluss die Berater haben können. Es gibt diesbezüglich verschiedene Beispiele: vom sehr sparsamen aktiven Fussballer bis zum Ex-Profi, der sein ganzes Vermögen bei Geldspielen ausgibt. Als Banker hat man meistens einen überschaubaren Einfluss, weil die meist sehr jungen Spieler häufig auf Berater bzw. Familienmitglieder hören. Trotzdem denke ich, dass einer ganzheitlichen Finanzplanung eine zunehmend grössere Bedeutung zugesprochen wird. Aus meiner Sicht ist es ungemein wichtig, sich bereits während der aktiven Karriere mit solchen Fragen auseinanderzusetzen.

Frage 5: Sie sind nun seit über zwei Jahren bei der FIFA. wobei Sie Das erste halbe Jahr waren Sie als Event Managerin tätig waren. Welche Aufgaben brachte das mit sich?

Ich habe im Februar 2016, notabene in der Woche des Wahlkongresses im letzten Februar (Anm. d. Red. Gianni Infantino wurde am 26. Februar 2016 zum FIFA-Präsidenten gewählt), in der Abteilung „Team Corporate Events“ gestartet. Ich konnte so die Wahl hinter den Kulissen verfolgen und habe dann den FIFA-Kongress 2016 in Mexiko mitorganisiert. In Mexiko habe ich mich um sämtliche Pre-Meetings der verschiedenen Committees, wie auch um das Council Meeting gekümmert. Die Erfahrungen in Mexiko haben mir geholfen, interne Abläufe und Zusammenhänge besser zu verstehen, was mir nun im heutigen Job hilft.

Frage 6: Seit August 2016 dürfen Sie nun die Funktion als persönliche Assistentin des stellvertretenden Generalsekretärs des Bereichs „Football“ (Zvonimir Boban) übernehmen. Wie können wir uns das, was Sie nun machen, vorstellen?

Die FIFA gliedert sich in die zwei Bereiche „Administration“ und „Football“. Zvonimir Boban leitet den Bereich „Football“ mit insgesamt über 130 Mitarbeitern. Namentlich sind das folgende Abteilungen: Turniere, technische Entwicklung, Frauenfussball, Mitgliedsverbände, Entwicklung, FIFA Legends und das FIFA Museum. Folglich ist es unser Job, den Überblick über sämtliche Projekte in diesen Abteilungen zu behalten. Alle wichtigen Entscheidungen in diesen Bereichen landen schlussendlich bei uns auf dem Tisch. Zvonimir Boban ist ein sehr offener und umgänglicher Vorgesetzter. Er bezieht mich in sehr viele Projekte mit ein und ich kann diese aktiv mitgestalten. Beispielsweise liegt die neue Awards-Show „The Best“ in Zvonimir Boban’s Verantwortung. Nach der Entscheidung sich von „Ballon d’Or“ zu trennen, ging es darum eine neue „Brand“ bzw. einen neuen Pokal und folglich eine neue Strategie zu entwickeln. Als Assistentin ist es meine Aufgabe, die Sitzungen zu koordinieren, Mails zu schreiben, Entscheidungen vorzubereiten, aber auch bei finalen Entscheidungen dabei zu sein. So haben wir häufig zusammen Vorschläge für den neuen Pokal ausgearbeitet und dessen Vor- und Nachteile thematisiert.

Frage 7: Welche Inhalte des Studiums können Sie besonders gut im beruflichen Alltag bei der FIFA anwenden?

Mein Job ist sehr vielseitig. Er beinhaltet nicht nur ganz verschiedene Fachrichtungen, sondern hat auch ganz viel mit dem Umgang mit den Mitarbeitern zu tun. Von daher kann ich sagen, dass ich aus allen Modulen Gelerntes anwenden kann. Was ich persönlich als grössten Mehrwert des Studiums empfinde, ist die Horizonterweiterung. Diese kann man nicht so einfach in einzelne Punkte auflisten. Es ist die Kombination aus vertieftem Fachwissen, Entdeckung neuer Fachgebiete und dem Austausch mit den Mitstudenten und Professoren.

Frage 8: Sie hatten bereits mehrere Stellen im Fussballbusiness. Woher kommt Ihre Leidenschaft für den Fussball?

Ich bin mit dem Fussball aufgewachsen. Sowohl mein Grossvater als auch der Bruder meiner Grossmutter waren Profifussballer. Fussball war immer ein grosses Thema in unserer Familie. Ich habe nun das Glück, dass ich meine Interessen und Leidenschaft mit meiner täglichen Arbeit kombinieren kann.

Frage 9: Wie ist es als Frau in einer männerdominierten Branche tätig zu sein?

Ich arbeite in dieser Branche, weil sie mich interessiert und ich einen sehr spannenden Job ausüben kann. Ich freue mich jeden Tag, meinem Beruf bei der FIFA nachzugehen. Dies empfinde ich als grosses Privileg. Ob ich dabei mit Männern oder Frauen arbeite, ist für mich unwichtig. Solange die Leistung stimmt, wird man gemäss meinen Erfahrungen genauso akzeptiert.

 

Vielen Dank für das spannende Gespräch!