Juni 2017: Christoph Baumann

Christoph Baumann war in jüngeren Jahren ein Fussballtalent, kehrte jedoch nach rund 20 Spielen in den höchsten beiden Schweizer Fussballigen dem bezahlten Spitzensport den Rücken zu. Nach seinem BWL-Bachelorstudium mit Austauschsemestern in Mexiko und Argentinien sammelte er u. a. durch sein Trainee-Programm bei der Credit Suisse in Zürich erste Berufserfahrungen. Nach einer kurzen Zwischenstation als Consultant durfte er von 2012 bis 2016 die verantwortungsvolle Position als Manager CEO Office bei der FIFA in Zürich übernehmen. Während seiner Zeit bei der FIFA bildete sich Christoph Baumann in der Pionierklasse 2015 zum zertifizierten Sportmanager an der Universität St. Gallen weiter. Im Jahr 2016 nahm er sich eine mehrmonatige Auszeit, anschliessend folgte eine Anstellung bei einer internationalen Sportvermarktungsagentur in Barcelona. Nach wenigen Monaten als Senior Account Manager folgte die Beförderung zum Head of Strategy, Business Development & Sales.

Frage 1: Nach Ihren ersten Einsätzen im Schweizer Profifussball haben Sie sich relativ zeitnah gegen den bezahlten Spitzensport entschieden. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Ich habe bereits zu GCZ- und FC Thun-Zeiten nebenbei die Schulbank gedrückt, war also nur Halbprofi und konnte mir nie wirklich vorstellen, ganz auf die Karte Fussball zu setzen. Ähnliche Beweggründe wie bei Benjamin Lüthi [Anm. d. R.: ehemaliger Schweizer Fussballspieler, welcher vor ein paar Monaten überraschend mit 28 Jahren zurückgetreten ist]  haben dazu geführt, dass ich bereits mit 21 Jahren den Stecker gezogen habe. Ein Studium, Reisen & das Erlernen von neuen Sprachen hatten stets Vorrang. Zum Fussballprofi fehlte mir der absolute Wille und Ehrgeiz. Aus mir wäre vielleicht ein durchschnittlicher Super-League-Spieler geworden, das war mir zu wenig.

Frage 2: Gibt es Kompetenzen, welche Sie im Rahmen Ihrer Laufzeit als Spitzensportler erlernt haben, die Sie in der Berufswelt besonders gut gebrauchen können?

Ja, es gibt viele Parallelen. Da wäre der Konkurrenzkampf, als Teamplayer zu agieren und sich dennoch bewusst zu sein, dass du am Ende des Tages auf dich alleine gestellt bist, sich Ziele zu setzen und darauf hinzuarbeiten, beim ersten Widerstand nicht gleich aufzugeben, mit Neid und Niederlagen umgehen zu wissen sowie bei Rückschlägen wieder aufzustehen. Allerdings musste ich in der Berufswelt auch Lehrgeld bezahlen. Wahrend im Sport nach dem Leistungsprinzip beurteilt wird, geht es im Unternehmen oft auch darum, die Gunst der Vorgesetzten zu erlangen. Bei Beförderungen zählt dann oft nicht nur die Leistung.

Frage 3: Nach Ihrer langjährigen Tätigkeit bei der FIFA verliessen Sie das Unternehmen im Sommer 2016. Was waren die Gründe?

Die FIFA ist eine faszinierende Welt – mit all den guten und weniger guten Seiten. Meine letzten zwei Jahre waren sehr nervenaufreibend, zudem hatten mein direkter Vorgesetzter und ich gegen Ende kaum noch deckungsgleiche Ansichten. Ich musste die Notbremse ziehen und wollte mir eine längere Auszeit gönnen, um über das Leben und dessen Bedeutung sowie den Stellenwert, welcher der Beruf darin einnehmen sollte, nachzudenken. Dabei habe ich realisiert, dass ich meine Zelte in Zürich und der Schweiz vorerst abbrechen will.

Frage 4: Wie lautet das persönliche Fazit nach Ihrem ersten Jahr in der neuen Position?

Für mich war das Jahr bei der Sportvermarkungsagentur ein Glücksfall. Ich durfte mich in vielen Bereichen des Marketings versuchen. Dabei wurde mir aber auch bewusst, dass mein „job-hopping“ ein Ablaufdatum hat und ich stattdessen die Selbständigkeit anstrebe. Zeitgleich haben mich Freunde dazu ermuntert, einen Business Case zu entwerfen.

Frage 5: Können Sie schon mehr über Ihr neues Projekt erzählen?

Ich bin aktuell in der Planungs- und Gründungsphase und möchte deshalb zum jetzigen Zeitpunkt nicht allzu viel verraten.

Frage 6: Wie managen Sie Ihren Alltag, damit die Freizeit nicht zu kurz kommt und Sie trotzdem die Vorzüge von Barcelona – wo Sie teilweise leben – geniessen können?

Das ist in der Tat nicht ganz so einfach. Ich hatte auch schon mehr Freizeit, aber wenn man mit Leidenschaft dabei ist, arbeitet man gerne auch mal abends oder am Wochenende und kann mühelos auf andere Dinge verzichten.

Frage 7: Sie haben 2009 Ihr Bachelor-Studium abgeschlossen. Inwiefern konnte der Sportmanagement- Weiterbildungslehrgang Ihre Kompetenzen weiterentwickeln?

Die Arbeitswelt kann mitunter doch sehr eintönig sein. Das Auffrischen von theoretischen Ansätzen und der Austausch mit den Kommilitonen stand für mich im Vordergrund. Ich durfte viele interessante Menschen kennenlernen, mit denen ich auch heute noch regelmässig in Kontakt stehe.

Frage 8: Welches sind ihre ganz persönlichen Learnings aus dem CAS Sportmanagement? Welche Inhalte des Studiums können Sie besonders gut im beruflichen Alltag anwenden?

Von den Vorlesungen in Leadership, Mitarbeitermotivation, Strategie sowie Sportmarketing konnte ich am meisten profitieren. In erster Linie hat mir der CAS-Lehrgang jedoch die Augen geöffnet – mir wurde während des Studiums bewusst, dass ich noch einen Executive Master machen will.

Frage 9: Was beurteilen Sie rückblickend kritisch?

Unser Studiengang war der erste, deshalb gab es vielleicht das eine oder andere Thema (z. B. Digitalisierung im Sportbusiness), welchem noch nicht die gleiche Bedeutung wie im diesjährigen Lehrgang geschenkt wurde. Insgesamt war die CAS- Erfahrung für mich aber ein voller Erfolg – weil sie meinem Leben eine entscheidende Richtungsänderung gegeben hat.

Frage 10: Wo sehen wir Christoph Baumann in fünf bis zehn Jahren?

Ich bin kein Freund der mittel- und langfristigen (beruflichen) Planung. Die Welt verändert sich immer schneller – der Mensch und dessen benötigte Fachkompetenz dazu. Die Familie sowie einige richtig gute Freunde sind die einzigen Konstanten in meinem Leben. Bei allem anderen ist der Weg das Ziel.

Vielen Dank für das interessante Gespräch!