März 2018: Peter Evers

Peter Evers ist im deutschen Profifussball kein unbekannter Name. Nach seinem Betriebswirtschaftsstudium an der Universität Paderborn, das er im Mai 1993 als Diplom Kaufmann abschloss, kam er im Rahmen von diversen Management-Tätigkeiten häufig mit dem Fussballbusiness in Kontakt. Im Jahr 2006 wurde er dann in den Aufsichtsrat des SC Paderborn berufen. Nach diesem zweijährigen Mandat wurde Peter Evers 2008 zum Vizepräsidenten und ein Jahr später zum Präsidenten des SC Paderborn gewählt. Im Jahr 2009 durfte Peter Evers sogleich den Aufstieg in die 2. Bundesliga miterleben.

Nach einer Zwischenstation bei Rot Weiss Ahlen war er von 2013 bis 2015 als Berater des Präsidiums vom FC Rot-Weiss Erfurt tätig. Im Jahr 2015 nahm Peter Evers zudem sein Studium zum zertifizierten Sportmanager (HSG) auf, welches er im darauffolgenden Sommer erfolgreich abschloss.

Frage 1: Sie haben im Juli 2016 den Sportmanagement-Lehrgang erfolgreich abgeschlossen. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit der Weiterbildung?

Ich durfte nette, interessante und sympathische Kommilitonen aus den unterschiedlichsten Sportarten kennenlernen. Die Themen der jeweiligen Dozenten waren allesamt anspruchsvoll, abwechslungsreich und kurzweilig. Gleichwohl war es täglich ein intensives und straffes Programm.

Frage 2: Sie durften bereits viele Erfahrungen im Sportbereich sammeln. Wieso haben Sie sich dennoch für die Weiterbildung zum zertifizieren Sportmanager an der Universität St. Gallen entschlossen?

Die verschiedenen Professoren vermitteln ihre Inhalte sehr anwendungsbezogen und schaffen so einen grossen Mehrwert für die Teilnehmer. So konnte ich persönlich z. B. im Modul „Verhandlungstaktik“ meine eigenen Verhandlungsstrategien und -techniken weiterentwickeln.

Hinsichtlich des Teilnehmerfelds war es ein interessanter Mix aus ehemaligen Profisportlern, Offiziellen, aber auch Experten aus der Wirtschaft und insbesondere aus dem Marketing.

Frage 3: Als Präsident hört man des Öfteren Kritik an der eigenen Person, wie gingen Sie damit um?

Grundsätzlich kann man mit pragmatischer Kritik umgehen und auch berechtigte Kritik von Sponsoren und Fans annehmen. Das gehört einfach zum Geschäft und ist das Salz in der Suppe. Es soll ja auch so sein, dass die Fans montags bei der Arbeit diskutieren. Das gehört einfach zur Fankultur und drückt deren Leidenschaft aus. Leider hat sich insbesondere in den sozialen Medien eine sehr bedenkliche Kultur entwickelt. Immer mehr werden Sportler, Schiedsrichter und Verantwortliche beschimpft und beleidigt. Nicht selten wird sogar zur Gewalt aufgerufen. Daher ganz deutlich: Kritik gehört jederzeit dazu, aber bitte sachlich fair und mit offenem Visier!

Frage 4: Wie behält man den Spass an der Arbeit bei so hohen Erwartungen und Druck von aussen?

Der Druck von aussen wird deutlich stärker. Man darf nicht immer alles lesen und persönlich an sich heranlassen. Einfach auch mal Kritik sportlich sehen und schmunzeln. Wichtig ist auch, sich selbst Fehler einzugestehen. Man entscheidet in bestimmten Situationen nach bestem Wissen und Gewissen. Sollte sich die Situation ändern muss man umdenken und Alternativen wählen.

Frage 5: Was würden Sie vor dem Hintergrund Ihrer Erfahrungen als ehemaliger Präsident eines deutschen Fussballvereins unseren Studierenden beziehungsweise den zukünftigen Sportmanagern mit auf den Weg geben?

Das Wichtigste ist, zu seinen Entscheidungen zu stehen und ein nachhaltig verlässlicher Partner zu sein. Diese Eigenschaften sprechen sich herum und werden sich langfristig immer durchsetzen. Das Profigeschäft wird immer schnelllebiger. Manchmal lockt eine gute Position oder ein gutes Geschäft mit hohem einmaligen Ertrag. Man sollte sich aber stets hinterfragen, ob es das wirklich wert ist. Wenn man Entscheidungen oder Versprechen getroffen und abgegeben hat, sollte man dazu stehen. Niemals darf die Gier das Hirn zerfressen!

Frage 6: Stichwort „umsetzen“: Welches sind Ihre ganz persönlichen Learnings? Gibt es konkrete Bereiche, in denen Sie heute sicherer oder kompetenter auftreten?

Ich denke, ich habe durch das Modul „Verhandlungstaktik“ viel über die Festsetzung meiner Verhandlungsziele gelernt. Man muss auch Kompromisse eingehen und sollte nicht seine Forderungen gänzlich durchsetzen wollen.

Frage 7: Viel Lob, viel Ehr‘ – doch gibt es aus Ihrer Sicht auch Inhalte, die im Rahmen der Weiterbildung zu kurz kamen, jedoch essenziell für eine Managementfunktion im Sportbereich sind?

Es wird im Profigeschäft täglich veränderte Rahmenbedingungen geben, auf die man sich neu einstellen muss. Natürlich ist es auch für den Lehrgang wichtig, aktuelle Themen wie die Entwicklung der 50+1 Regel in Deutschland oder den eSport zu beleuchten. Der Gaming-Markt wird so gigantisch sein, dass man ihn jetzt nicht verpassen darf. Deshalb ist es für den Lehrgang natürlich von Vorteil, wenn man ihn in Zusammenarbeit mit einem professionell geführten Bundesligaverein wie der FC Schalke 04 durchführt. Der FC Schalke 04 ist meiner Ansicht nach in diesen Bereichen sehr fortschrittlich und deshalb ein besonders interessantes Beispiel für die Studierenden.

Frage 8: Im Jahr 2010 erlangten Sie zudem die Lizenz zum FIFA- und DFB-lizenzierten Spielervermittler. Mit welchen Zielen war diese Prüfung verbunden?

Es hat mich gereizt, mich noch einmal so intensiv auf eine Prüfung vorzubereiten wie früher beim Examen. Ausserdem habe ich als Präsidiumsmitglied des SC Paderborn oft Verhandlungen mit Spielervermittlern geführt. Ich wollte mich deshalb in die andere Seite hineinversetzen und besser vorbereitet sein. Zudem gibt es auch bei dem DFB und der FIFA ständig neue Regularien, die man kennen und umsetzen sollte.

Frage 9: Wie sehen Sie die Entwicklungen auf dem Spielervermittlermarkt?

Die Entwicklungen werden immer dynamischer. Es wird immer mehr Geld in einen nahezu unendlich wachsenden Markt investiert. Die Ablösesummen und Gehälter der Spieler werden durch Erlöse aus den Pay-TV Verträgen und Merchandising weiter explodieren. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der erste Spieler für eine Ablösesumme über 250 Millionen Euro transferiert wird. Die neuen Fussballmärkte in China, Indien und Russland haben ein beinahe unerschöpfliches Potential.

Man stelle sich vor, ein Chinese wird Stammspieler beim FC Bayern München. Dann würde die Nachfrage nach seinen Trikots in die Höhe schiessen.

Frage 10: Mit welchen Projekten beschäftigen Sie sich aktuell?

Aktuell schaue ich mich nach einer neuen Herausforderung um, bei der ich meine Erfahrung und meine Leidenschaft einbringen darf.

 

Vielen Dank für das interessante Gespräch!