September 2017: Sabine Do-Thuong

Sabine Do-Thuong ist in der IT-Branche eine gefragte Frau. Im Alter von 19 Jahren nahm sie ihr Studium an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) auf, an der sie fünf Jahre später erfolgreich den Master in Computer Science abschloss. Nach ersten Erfahrungen in der Applikationsentwicklung im Bereich Unfall- und Schadensmanagement von Autos, war sie über ein Jahrzehnt lang bei der AdNovum Informatik AG, einem Schweizer Informatikunternehmen in Zürich, beschäftigt und hat dort unter anderem eine Niederlassung in Ho Chi Minh City (Vietnam) mitaufgebaut. Durch diverse Tätigkeiten konnte sie sich ein fundiertes Fachwissen in den Bereichen Softwareentwicklung, Qualitätssicherung und Projektleitung aneignen. Seit Februar 2017 ist Sabine Do-Thuong als Head of Development bei der TWINT AG in Zürich beschäftigt und verantwortlich für die Softwareentwicklungsabteilung. TWINT ist ein Zahlungssystem für bargeldloses Zahlen. Die gleichnamige Applikation wurde im Herbst 2015 schweizweit lanciert.

Aufgrund ihrer Sportaffinität absolvierte Sabine Do-Thuong im Jahr 2015 die berufsbegleitende Sportmanagement-Weiterbildung der Universität St. Gallen, in Kooperation mit dem FC Schalke 04. Mit dem dort erworbenen Wissen gestaltet sie in ihrer Freizeit als Vorstandsmitglied des BTV Aarau Volleyball die Zukunft des Clubs mit.

Durch diese Berührungspunkte mit der HSG und aufgrund ihres eindrücklichen Leistungsausweises wurde sie für den zweijährigen Global Executive Master of Business Administration (GEMBA) zugelassen, der diesen Sommer startete.

Frage 1: Sabine Do-Thuong, seit dem Sportmanagement-Studium an der Universität St. Gallen hat sich beruflich einiges getan für Sie. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit der Weiterbildung, die Sie im Juni 2015 abgeschlossen haben?

Für mich war vor allem der Austausch mit meinen Mitstudenten spannend, auch weil viele ehemalige Profisportler dabei waren, die einen ganz anderen Mindset mitbrachten und ich somit eine andere Sichtweise erhalten habe. In der Wirtschaftswelt bewegen sich die Dinge meist schwerfälliger voran.

Ich erinnere mich aber auch gerne an die manchmal ein wenig anstrengende Selbstsicherheit und die Siegermentalität der Sportler zurück. Sinnbildlich dafür ist mir die Aussage «Wer war der zweite Mann auf dem Mond?» nachhaltig geblieben.

Das Sportmanagement-Studium selber bot für mich neue Einblicke und frische Impulse, da ich zuvor «nur» eine rein technische Ingenieurausbildung absolviert hatte.

Frage 2: Nach Ihrer langjährigen Tätigkeit bei der AdNovum Informatik AG arbeiten Sie seit Februar 2017 als Head Of Development bei TWINT AG. Was reizt Sie an dieser Tätigkeit und wieso verliessen Sie dafür Ihren früheren Arbeitgeber?

Definitiv die Herausforderung in einem Bereich mitzuarbeiten und mitgestalten zu können, welcher Pioniercharakter hat. Zudem bot mir TWINT die Chance Verantwortung in einer leitenden Position zu übernehmen und die Möglichkeit, mich in einem agilen und innovativen Umfeld persönlich weiterzuentwickeln.

Frage 3: Wie sind Sie zu Ihrer heutigen Aufgabe gekommen?

Durch harte Arbeit, Rückschläge, Ausdauer und Ehrgeiz. Allerdings gehörte dann auch eine Portion Glück dazu zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und einen Vorgesetzten zu haben, der an einen glaubt und entsprechend fördert.

Frage 4: Wie sehen Ihre Haupttätigkeiten bei TWINT aus?

Im Wesentlichen beschäftige ich mich mit People, Stakeholder & Expectation Management. Ich plane, koordiniere und überwache alle Entwicklungsarbeiten von ca. 50 internen und externen Softwareentwicklern verteilt über fünf Standorte weltweit. Ich bin Kommunikations-Dreh- und Angelpunkt für die Projekt & Test Manager, Business Analysten, Architekten und die anderen internen und externen Stakeholder.

Frage 5: Sie sind nicht direkt in der Sportbranche tätig. Wieso haben Sie sich dennoch für das Sportmanagement-Studium an der HSG entschieden?

Für mich gab es immer zwei Leidenschaften – IT und Sport. Mein Know-how im IT-Bereich hatte ich mir bereits angeeignet und daher wollte ich nun auch den Sportbereich abdecken. Da ich zudem vorher ein technisches Studium absolviert hatte, wollte ich nun Einblicke in die Management-Seite erhalten. Da kam mir das Sportmanagement Studium gerade gelegen.

Frage 6: Welche persönlichen Learnings des Studiums können Sie besonders gut im beruflichen Alltag gebrauchen?

Da das Studium auch sportunabhängige Management-Themen wie Leadership & Sozialkompetenz, Verhandlungstaktik, Strategisches Management etc. behandelt, gab es für mich genügend «Take Homes», die ich in meinem jetzigen Job anwenden kann. Zudem konnte ich mir in puncto Auftreten und die Art zu argumentieren und zu präsentieren viel von meinen Mitstudenten abschauen.

Frage 7: Der Lehrgang richtet sich u. a. an ehemalige und aktive Spitzensportler. Wie war es für Sie, mit diversen bekannten Persönlichkeiten aus dem Sport zu studieren?

Für mich war es nicht gross anders als mit nicht-bekannten Persönlichkeiten zu studieren. Ich habe allgemein den Austausch mit allen sehr geschätzt und das gegenseitige Voneinander-Lernen empfand ich dabei sehr motivierend und befruchtend. In den Gruppenarbeiten hat es dann auch keine Rolle gespielt, ob jemand Olympiasieger, Ski-Weltcupsieger, Schuhverkäufer oder Anwalt war. Auch bekannte Sportler sind nur Menschen. Mit einigen bin ich in Kontakt geblieben und mit Fränzi Aufdenblatten treffe ich mich nach wie vor regelmässig zum Mittagessen.

Frage 8: Die Digitalisierung und im Allgemeinen IT-gestützte Prozesse gewinnen auch im Sport rasant an Bedeutung. Wie verfolgen Sie als IT-Expertin diese Entwicklungen?

Meiner Meinung nach stehen wir erst am Anfang der Digitalisierung, nicht nur im Sportbereich, sondern in fast jeder Branche. Die Beispiele von Netflix, Uber oder Airbnb sind der beste Beweis dafür, welche Chancen, aber auch Herausforderungen uns die Digitalisierung eröffnet. Der digitale Tornado hat bereits die Unterhaltungsbranche überrollt und niemand weiss, wo die nächste digitale Transformation stattfinden wird.

Frage 9: Im August starteten Sie mit dem Global Executive Master of Business Administration (GEMBA) an der HSG. Mit welchen Erwartungen nahmen Sie das Studium auf?

Ich habe mich sehr darauf gefreut wieder neue Leute kennenzulernen, auf den Erfahrungsaustausch und die Vertiefung der Themen, welche im Sportmanagement behandelt wurden.

Frage 10: Kommt für Sie in naher Zukunft auch ein hauptberufliches Engagement im Sportbereich infrage?

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass ich in Zukunft auch mal im Sportbereich arbeiten werde – idealerweise IT & Sport kombiniert. Momentan bin ich aber sehr glücklich und zufrieden mit meiner Stelle bei TWINT.

 

Vielen Dank für das interessante Gespräch, Frau Do-Thuong!