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Marco Chiudinelli

Alumni des Monats Juni 2022

Inhaber Chiudinelli Management & Consulting

Marco Chiudinelli war bereits in jungen Jahren sehr sportbegeistert. Nach mehreren polysportiven Erfahrungen entschied er sich schliesslich für das Tennis. 1997 wurde er ins nationale Leistungszentrum Swiss Tennis in Biel aufgenommen und wagte 1999 den Schritt zum Tennis-Profi. Bis zu seinem Rücktritt im Oktober 2017 verbrachte er insgesamt 18 erfolgreiche Jahre auf der ATP-Tour. Als Karrierehöhepunkte stechen das Erreichen der Weltranglistenposition 52, der Gewinn des ATP Comeback Player of the Year Awards 2009 und der Gewinn des Davis-Cups im Jahre 2014 heraus.

Nach seinem Rücktritt gründete er 2018 sein eigenes Unternehmen «Chiudinelli Management & Consulting». Dieses bietet Sport-Dienstleistungen im Tennis- und Golfbereich an und führt ganzheitliche Tenniscamps im In- und Ausland durch. Nebenbei tritt Marco als Tennis-Experte im Fernsehen auf, analysiert als Kolumnist einer grossen Schweizer Tageszeitung die Top-Ereignisse aus dem weltweiten Tennisgeschehen und gibt seine reichlich gewonnenen Erfahrungen aus dem Spitzensport als Referent und Moderator an Unternehmens- und Vereinsanlässen weiter. Dabei stehen besonders die Themen Fokus, Passion, Teamwork, sowie Umgang mit Niederlagen und Veränderungen im Mittelpunkt. Dies sind alles Themen, welche auch in der Business-Welt oftmals über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.

Frage 1: Marco, für viele Sportler/innen ist der Tag 1 nach der aktiven Profikarriere eine extreme Umstellung. Wie hast du diesen Schritt gemeistert?

Ursprünglich wollte ich nach meiner Karriere gerne ein paar Monate als Tourist die Welt bereisen. Als es aber dann so weit war und ich am Morgen nach meinem letzten Spiel im Hotelzimmer erwachte, fühlte ich einen Tatendrang, eine oder mehrere neue Herausforderungen für mich finden zu wollen. Schliesslich lief es dann sehr schnell darauf hinaus, dass ich damit begann, mich folgenden drei Themenbereichen zu widmen:

  1. Teilnahme an vielen Business-Events, um mein persönliches Netzwerk zu vergrössern.
  2. Erweiterung meines Horizonts / Weiterbildung im Rahmen der CAS Sportmanagement-Weiterbildung sowie eines halbjährigen Praktikums bei einer Berner Sportagentur.
  3. Organisation meines ersten Tenniscamps, in dem ich Hobbyspielern zeigen wollte, wie Profis trainieren.

Da ich damals in all diesen Bereichen bei null gestartet bin und mir alle drei Bereiche grossen Spass bereiteten, stand ich direkt nach meinem Rücktritt wieder am Start einer neuen Karriere, die meine gesamte Konzentration erforderte und mich erfüllte. Insofern verlief der Übergang für mich sehr fliessend und dank vieler neuer Begegnungen und Inputs auch sehr spannend.

Frage 2: Wusstest du schon während deiner aktiven Karriere, in welchem Berufsfeld du arbeiten möchtest?

Nein. Mir war es während meiner Profikarriere immer wichtig, mit meinen Gedanken zu 100 % aufs Tennisspielen fokussiert zu sein. Aus diesem Grund habe ich mir bis zu meinem Abschiedsspiel im Oktober 2017 nie Gedanken darüber gemacht, wie es nach meinem Rücktritt vom Profisport beruflich für mich weitergehen wird.

Frage 3: Was würdest du vor dem Hintergrund deiner Erfahrungen aktiven Sportler/innen im Hinblick auf die Karriere nach der Karriere mit auf den Weg geben?

Kostet eure Sportkarriere maximal und bis zum letzten Moment aus, denn das «normale» Berufsleben nach dem Profisport wird nie mehr so reich an Emotionen werden, wie ihr sie im Sport erlebt. Dieses Wissen, alles aus der eigenen Sportkarriere herausgeholt zu haben, hilft dabei, den Fokus auf neue Aufgaben zu richten, ohne dass man mit Bedauern zurückschauen muss und erleichtert somit den Übergang in die Karriere nach der Karriere.

Frage 4: Du darfst auf 18 erfolgreiche Jahre auf der ATP-Tour zurückblicken. Hat man da finanziell ausgesorgt?

Dazu habe ich leider nicht erfolgreich genug gespielt. Ich hatte nach meiner Karriere allerdings das Privileg, dass ich in einer Situation war, in der ich mir zwei Jahre hätte Zeit nehmen können, um eine neue Herausforderung zu finden. Aus dem Grund konnte ich es mir auch erlauben, nicht schon während meiner aktiven Karriere ans Danach denken zu müssen.

Frage 5: Du hast mit Roger Federer zusammen den Davis Cup 2014 gewonnen. Kannst du uns beschreiben, welche Bedeutung dieser Titel für dich hatte?

Der Davis-Cup-Sieg mit der Schweiz war sicher einer der schönsten Momente meiner Karriere. Darauf hatte ich gemeinsam mit meinen Teamkollegen, die mehrheitlich auch enge Freunde sind, seit 2005 hingearbeitet und als es dann endlich klappte und wir nach unserer Rückkehr in die Schweiz die riesige Begeisterung in der Bevölkerung spüren konnten, merkten wir, dass wir tatsächlich etwas Grosses geschafft hatten. Nichtsdestotrotz betrachte ich den Davis-Cup-Sieg rückblickend nicht als meinen grössten Erfolg, da ich im Final gegen Frankreich selbst keines der Matches gespielt habe und der Titel als Team in einem Einzelsport wie Tennis auch schwer vergleichbar ist mit anderen Erfolgen, die ich mir alleine erspielt hatte.

Frage 6: Du wurdest im Jahre 2009 von der ATP zum «Comeback Player of the Year» gewählt – fast die schönste Auszeichnung, die man als Sportler gewinnen kann?

Dies war tatsächlich eine grosse Ehre und vor allem Anerkennung für mein Comeback, das mir damals nach 18-monatiger Verletzungspause gelungen ist. Der Award wird von den ATP-Spielern vergeben - jeder Spieler hat eine Stimme - und Gewinner des Awards waren in der Vergangenheit u. a. Federer, Nadal, Djokovic und Del Potro. Dass meine Berufskollegen, die am besten nachvollziehen können, was so ein Comeback bedeutet, meine Leistung 2009 mit dem Award honorierten, erfüllt mich auch heute noch mit grosser Dankbarkeit und Stolz.

Frage 7: Dein Jugendfreund Roger Federer ist einer der erfolgreichsten Sportler aller Zeiten. Hat man da nie neidisch auf seine Karriere geblickt?

Nein, überhaupt nicht. Roger ist zusammen mit mir aufgewachsen und gehört seit über 30 Jahren zu meinen besten Freunden. Auch in unseren jungen Jahren Anfang der 90er-Jahre war er mir im Tennis immer ein grosses Stück voraus und zudem fokussierte er sich bereits mehrere Jahre vor mir ausschliesslich aufs Tennis, was den Leistungsunterschied zwischen uns natürlich noch vergrösserte. Aus dem Grund habe ich mich auch schon damals zu keiner Zeit mit ihm verglichen und sehe es im Gegenteil vielmehr als Privileg, dass ich Tennis schliesslich ebenfalls (und zu meiner Überraschung) zu meinem Beruf machen konnte.

Frage 8: Du hast 2018 dein eigenes Unternehmen «Chiudinelli Management & Consulting» gegründet. Mit welchen Projekten beschäftigst du dich aktuell?

Mein Hauptstandbein sind die Organisation und Durchführung von exklusiven und sehr persönlichen Sportreisen und -camps, insbesondere im Tennis- und Golfbereich. Diese sogenannten «MCamps» für Spielerinnen und Spieler aller Altersklassen und Spielniveaus dauern in der Regel vier bis sieben Tage und finden an exklusiven Orten in der Schweiz und Europa statt. Als nächstes fahre ich z. B. Ende Juni mit einer Gruppe nach Halle in Westfalen, wo wir auf den original ATP-Rasenplätzen spielen, auf denen Roger Federer bereits 10 Mal das ATP 500 Turnier gewonnen hat.

Des Weiteren organisiere ich Events, wie z. B. die Firmen-Golfmeisterschaft «golf4companies» und die Tennisturnierserie «MCamp Cup», bin Botschafter des ATP 250 Turniers von Gstaad, schreibe als Kolumnist für die «Basler Zeitung» über das weltweite Tennisgeschehen, coache an zwei Abenden ein paar Kaderjunioren und referiere für Firmen oder an Events über Themen wie «Fokus und High Performance».

Was alle Projekte gemeinsam haben: Sie sind eine Passion für mich.

Frage 9: Du bist zunehmend als Referent gefragt. Woher kommt aus deiner Sicht das Interesse der Wirtschaft vom Hochleistungssport zu lernen?

Ich habe überrascht festgestellt, dass ich alle «Werkzeuge», die ich während meiner Karriere als Tennisprofi für das konstante Erreichen von Höchstleistung gebraucht habe, auch in meiner heutigen neuen Karriere einsetzen kann. Dabei handelt es sich z. B. um Themen wie «Fokus», «Anpassungsfähigkeit» oder «Passion». Die Gemeinsamkeiten zwischen Wirtschaft und Sport sind aus meiner Sicht frappant und das Interesse an Sportlern besteht wohl aus dem Grund, dass ich nicht der Einzige bin, der das so sieht.

Frage 10: Wo sehen wir Marco Chiudinelli in fünf Jahren?

Meine Tenniscamps werden mich bestimmt auch in 5 Jahren weiterhin beschäftigen. Dort ist mein Ziel, dass die Marke «MCamp» bis dann der Mehrheit aller Schweizer Tennisspielenden ein Begriff ist und ich Schritt für Schritt im Ausland Fuss fassen kann. Zudem will ich auch weiterhin das Tennisgeschehen als Experte analysieren, mittelfristig hoffentlich auch wieder vermehrt im TV.

Was mir aber am wichtigsten ist: Auch in 5 Jahren will ich mich ausschliesslich mit Projekten befassen, die für mich eine Passion darstellen, so wie ich das seit über 20 Jahren nicht anders kenne.

Frage 11: Nächsten Monat schliesst bereits die Class of 2022 die Weiterbildung zum zertifizierten Sportmanager/in HSG ab. Welche Erinnerungen verbindest du mit der Weiterbildung?

Ich habe lauter gute Erinnerungen, und zwar in vielerlei Hinsicht. Zum einen habe ich viele neue, spannende Leute kennengelernt, sowohl auf Seiten der Mitstudierenden als auch auf Seiten der Professoren und Referenten. Des Weiteren erhielt ich Einsicht in viele neue Themenbereiche wie z. B. Sportvermarktung oder eSports. Dort war es für mich wiederum sehr spannend zu sehen, welche dieser mir bis dahin unbekannten Themenbereiche mich interessierten und bei welchen ich direkt wusste, dass ich damit mit Sicherheit nichts zu tun haben will. Der Lehrgang hat mir also auch aufgezeigt, in welche Richtung es bei mir sicherlich nicht gehen soll. Und zu guter Letzt habe ich bei vielen Themenbereichen die Bestätigung erhalten, dass Dinge und Entscheidungen, die ich während meiner Karriere ganz natürlich so gemacht und getroffen habe, wie ich es für richtig hielt, auch wissenschaftlich erwiesenermassen richtig waren. Dies hat mich in vielerlei Hinsicht darin bestärkt, z. B. im Bereich «Teamwork», so weiterzumachen, wie ich das bereits aus der Vergangenheit kannte.

Vielen Dank für das spannende Interview, lieber Marco!

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