Stefan Steinacher

Stefan Steinacher

Alumni des Monats Oktober

Stefan Steinacher gehört zu den bekanntesten Stimmen des österreichischen Sports. Seit über 30 Jahren verbindet er Sportbegeisterung, Live-Entertainment und die Nähe zu den Athletinnen und  Athleten.

Aufgewachsen in Fieberbrunn im Tirol, wollte er ursprünglich selbst Skirennfahrer werden. Schon als Kind faszinierte ihn die Atmosphäre rund um die Streif. 1984 erlebte er als Volksschüler den österreichischen Dreifachsieg in Kitzbühel und fasste damals einen  Entschluss: Entweder würde er eines Tages selbst auf der Streif gewinnen oder  zumindest dort moderieren.

Der zweite Teil des Traums ging in Erfüllung. 1993 stand Steinacher bei einem Snowboard-Event in seinem Heimatort erstmals am Mikrofon. Aus der Leidenschaft wurde ein Beruf. Heute zählt er zu den  renommiertesten Sportmoderatoren Österreichs und hat über 20  Weltmeisterschaften sowie drei Olympische Spiele begleitet. Neben dem alpinen Skisport moderiert er Biathlon-, Skisprung- und Mountainbike-Weltcups, ist  bei Tennis-, Formel-1- und MotoGP-Events sowie weiteren internationalen Grossanlässen im Einsatz und stand bereits bei unzähligen Red-Bull-Events am  Mikrofon.

Eine besondere Verbindung hat er zu den grossen Ski-Klassikern. Seit 2008 bildet er gemeinsam mit Didi Ziesel ein eingespieltes Moderationsduo bei den Hahnenkammrennen in Kitzbühel. Die  beiden führen durch Startnummernauslosung und Siegerehrung, interviewen Athletinnen und Athleten und ordnen das Renngeschehen sportlich ein. Ihr  Anspruch geht dabei über die reine Information hinaus: Zusammen mit DJs und  Kamerateams inszenieren sie das Event so, dass die Emotionen des Sports auf  das Publikum überspringen.

2025 absolvierte er unseren CAS Sportmanagement  an der Universität St.Gallen.

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Frage 1: Lieber Stefan, du hast als Kind in Kitzbühel davon geträumt, eines Tages selbst auf der Streif zu gewinnen oder dort zu moderieren. Heute stehst du tatsächlich am Mikrofon in Kitzbühel. Was bedeutet es für dich, dass sich dieser Kindheitstraum auf diese Weise erfüllt hat?

Während der Hahnenkammwoche besichtige ich jeden Tag gemeinsam mit den Athleten die Trainingsstrecken und die Streif. Jeder dieser Tage ist wirklich etwas Besonderes, aber der Rennsamstag mit der Abfahrt ist absolut unique. Wenn wir bei der Besichtigung an der Hausbergkante stehen und du von dort oben zum ersten Mal die unglaublichen Menschenmassen im Ziel siehst und die Lautstärke mitbekommst, ist das für mich jedes Jahr aufs Neue ein total magischer Moment. Obwohl ich das schon einige Male erleben durfte, catcht mich dieser Augenblick immer wieder.

Er macht mich aber auch ein Stück weit demütig und immer noch sehr, sehr nervös. In diesem Moment spürst du einfach, welche unglaubliche Bedeutung dieses Rennen hat: für die Athleten, für den gesamten Ski- und Wintersport und natürlich auch für mich als Ski- und Sportfan.

Frage 2: Vom ersten Einsatz am Mikrofon 1993 bis hin zu Olympischen Spielen, Weltmeisterschaften und grossen internationalen Sportevents: Was waren für dich die wichtigsten Wendepunkte auf deinem Weg als Moderator?

Was mich sicher immer ausgezeichnet hat, war das Dranbleiben. Auch in den Jahren, in denen ich mit dieser Arbeit kaum oder teilweise gar nichts verdient habe, war Aufgeben für mich eigentlich nie ein Thema, vor allem, weil ich es natürlich geliebt habe und immer noch liebe. Ich habe immer daran geglaubt, dass sich daraus vielleicht etwas sehr, sehr Positives entwickeln kann.

Zudem habe ich versucht, Dinge damals wie heute anders oder neu zu machen. Durch meine Radiotätigkeit habe ich schon Ende der 90er-Jahre begonnen, Musik ganz bewusst mit einem eigenen DJ in die Events zu integrieren. Wir haben unglaublich viel zusammengearbeitet und damit probiert, mehr Stimmung zu erzeugen. Später kamen dann die Videoleinwände dazu. Auch da war mein Gedanke: Wie können wir dieses Tool nutzen, um den Fans im Skistadion noch mehr Information, Emotion und Unterhaltung zu bieten, und vielleicht auch meinen Stellenwert dahingehend zu verbessern?

Dieses Dranbleiben und gleichzeitig immer wieder offen für Neues zu sein, war und ist wahrscheinlich ein sehr wichtiger Teil meines Weges.

Frage 3: Nach über 30 Jahren im Sport hast du wahrscheinlich fast alles erlebt, was man als Moderator erleben kann. Was ist es, das dich trotzdem jedes Mal wieder nervös macht oder dir Respekt einflösst?

Was mich nach wie vor reizt, ist eigentlich die Tatsache, dass jeder Tag wieder neu ist. Was gestern war oder wie gut meine Leistung beim letzten Event war, zählt heute überhaupt nicht mehr. Beim nächsten Event geht alles wieder bei null los. Deshalb heisst es für mich: immer gut vorbereitet sein, immer wieder für diesen einen Tag brennen und jedes Mal versuchen, das Beste zu geben.

Genau das macht es für mich auch nach all den Jahren noch so spannend. Jeder Tag, jede Bühne und jedes Event ist eine neue Herausforderung. Und ja, ich bin auch heute immer wieder sehr nervös. Aber ich glaube, genau das ist auch gut so, denn diese Nervosität zeigt mir, dass es mir nach wie vor sehr, sehr wichtig ist.

Frage 4: Die Hahnenkammrennen in Kitzbühel begleitest du seit 2008. Was macht dieses Event aus deiner Sicht so einzigartig und was können andere Sportveranstaltungen von Kitzbühel lernen?

Da ist natürlich einmal die Streif selbst, dieser Mythos, diese unglaubliche Herausforderung für die Athleten. Dann aber auch die schweren Stürze, die grossen Siege und all die Geschichten, die dieses Rennen über Jahrzehnte geschrieben hat.

Rundherum ist das Ganze aber auch auf einem extrem hohen und professionellen Niveau, vom Kitzbüheler Ski Club und von der Agentur WWP, die das inszeniert. Da kann sich wirklich jeder im Eventbusiness etwas abschauen: knapp 20 Videoleinwände, ein perfektes Branding, das vielleicht sogar ein Kleiner bei einem kleinen Event umsetzen kann, ein unglaubliches Eventdesign, dieses Event-Outfit eben. Und die Liebe der handelnden Personen zu diesem Event.

Was ich natürlich nicht vergessen darf, sind diese riesigen Menschenmassen. Dazu kommt für mich auch noch dieser enorme VIP-Andrang. Kitzbühel ist in dieser Woche eben nicht nur ein Skirennen, sondern auch ein gesellschaftliches Ereignis. Es geht ums Sehen und Gesehen werden. Genau diese Mischung macht Kitzbühel zu dem, was es ist, nämlich einzigartig.

Frage 5: Du moderierst nicht nur im alpinen Skisport, sondern auch bei Tennis-, Formel-1-,Moto GP- und anderen internationalen Sportevents. Was unterscheidet die verschiedenen Sportarten aus Sicht eines Moderators und was macht für dich den besonderen Reiz aus, in so unterschiedlichen Sportwelten unterwegs zu sein?

Genau diese Vielfalt macht meinen Job für mich so spannend. Zum einen muss ich mich natürlich immer wieder neu auf die unterschiedlichen Sportarten vorbereiten. Zum anderen ist meine Rolle bei jedem Event auch immer wieder eine andere.

Bei Ski- oder Biathlon-Weltcups, beim Skispringen bei der Vierschanzentournee oder bei Mountainbike-Weltcups kommentiere und begleite ich die Rennen sehr intensiv. Da muss ich fachlich natürlich gut vorbereitet sein, Situationen schnell erkennen und gleichzeitig ein Gefühl dafür haben, wann Emotion gefragt ist und wann vielleicht auch einmal weniger mehr ist.

Beim Tennis, bei ATP-Turnieren zum Beispiel, ist es für mich wieder komplett anders. Da habe ich oft nur ganz, ganz kurze, punktuelle Ansagen, aber genau die sollten im besten Fall sitzen und zum richtigen Zeitpunkt kommen.

Wenn ich reflektiere, wie das bei der Formel 1 oder der MotoGP in Österreich ist, wo ich moderiere, dann sehe ich mich dort vielleicht stärker als Ballverteiler. Da geht es darum, das grosse Ganze im Blick zu haben, die Stimmung aufzunehmen und unserem gesamten Entertainment-Team, da sind wir sehr, sehr viele unterschiedliche Personen, immer wieder die richtigen Bälle zuzuspielen.

Genau dieser Wechsel macht es für mich so interessant. Es ist immer Moderation, aber trotzdem jedes Mal ein komplett anderer Job.

Frage 6: Du begleitest und unterstützt auch Athletinnen und Athleten bei ihrer Vermarktung. Was braucht es deiner Meinung nach heute, damit aus einer erfolgreichen Sportlerin oder einem erfolgreichen Sportler auch eine starke und glaubwürdige Persönlichkeit bzw. Marke wird?

Sportlicher Erfolg ist natürlich die absolute Basis, und zwar mehr denn je, glaube ich. Mittelmass bringt da überhaupt nichts mehr. Aber heute braucht es mehr als nur den sportlichen Erfolg: Du musst als Mensch für die Fans greifbar sein und authentisch bleiben.

Ich glaube, eine Sportlerin oder ein Sportler sollte auch ruhig Ecken und Kanten haben und diese zeigen. Man muss nicht immer jedem gefallen, aber die Leute sollten wissen, wofür du stehst. Wenn du dann noch deine eigene Geschichte gut erzählst und Partner findest, die wirklich zu dir passen, kann aus einem erfolgreichen Sportler eine richtig starke und vor allem glaubwürdige Marke werden.

Neben der sportlichen Stärke ist Authentizität, würde ich sagen, das Nonplusultra.

Frage 7: Wenn du heute auf deine Karriere zurückblickst: Gibt es einen Sportmoment, ein Interview oder eine Begegnung mit einer Athletin oder einem Athleten, die dir ganz besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ja, da gibt es unfassbar viele Momente. Natürlich die ganz grossen Siege von Marcel Hirscher vor vollen Stadien in Kitzbühel oder in Schladming, auch bei der WM in Schladming, wo zum Beispiel das Duell Neureuther gegen Hirscher damals das grosse Deutschland-Österreich-Duell war. Oder heuer der Slalomsieg meines Fieberbrunner Landsmannes Manuel Feller in Kitzbühel, den ich ja schon seit seiner Kindheit begleiten darf.

Dazu kommen für mich noch die grossen Erfolge von Dominic Thiem im Tennis oder die Erfolge der Sportlerinnen und Sportler, die ich vermarkte, wie Dominik Landertinger, Lisa Hauser, der Nordische Kombinierer David Kreiner und so weiter. Oder das Ausgehen mit Bode Miller und Didier Cuche, das werde ich nie vergessen.

Aber ganz ehrlich, es sind nicht immer nur die Siege, die mich berühren. Oft sind es gerade die grossen Niederlagen und zu sehen, wie diese Athleten kurz danach wieder aufstehen, sich neu fokussieren und im besten Fall sportlich zurückschlagen.

Unvergessen ist für mich auch, heuer Marco Odermatt in Kitzbühel zu erleben, wie er so knapp an seinem grossen Traum vorbeigeschrammt ist, Kitzbühel zu gewinnen. Das hat mich tief berührt, weil er erstens, zumindest für mich, ein super netter Sportler ist und weil es wieder einmal gezeigt hat: Sport ist alles andere als ein Wunschkonzert. Ich glaube, vielleicht lieben wir ihn genau deshalb so sehr. Oder eigentlich bin ich mir sogar sicher, dass das mit ein ganz grosser Grund ist.

Frage 8: Trotz einer etablierten Position im Sport hast du dich bewusst dafür entschieden, 2025 unsere Weiterbildung zu absolvieren. Was hat dich damals dazu bewogen, diesen Schritt zu gehen?

Ich glaube, genau dann, wenn man glaubt, man wisse eh schon alles, wird es richtig gefährlich. Ich bin seit vielen Jahren im Sportbusiness und auch in anderen Bereichen unterwegs, aber vieles habe ich mir über Learning by Doing aufgebaut. Irgendwann hatte ich einfach Lust, wieder neue Inputs zu bekommen, andere Sichtweisen kennenzulernen und, wie man so schön sagt, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen.

Und ganz ehrlich: Mit 50, ich war damals genau 50, noch einmal in einem Lehrsaal zu sitzen, zuzuhören und zu merken, dass man noch extrem viel lernen kann, davor hatte ich zuerst ein bisschen Angst. Aber dann war es echt richtig cool.

Für mich gehört es einfach dazu, neugierig zu bleiben, sich weiterzuentwickeln und vor allem nie zu glauben, dass man fertig ist. Deshalb kann ich den Lehrgang zu 100 Prozent weiterempfehlen, und zwar wirklich zu 100 Prozent. 10 von 10 Punkten von meiner Seite.

Frage 9: Wie hast du den CAS Sportmanagement persönlich erlebt und gab es Momente oder Inhalte, die dich besonders überrascht oder begeistert haben?

Ich habe eigentlich fast alles an dieser Ausbildung geliebt und geschätzt. Natürlich die vielen Inputs der unterschiedlichsten Vortragenden, aber vor allem auch den Austausch mit meinen Kolleginnen und Kollegen. Die Teilnehmenden sind aus komplett unterschiedlichen Branchen gekommen, und gerade bei unseren Aufgaben fand ich es extrem spannend zu sehen, wie unterschiedlich die Lösungswege und kreativen Ansätze der einzelnen Personen waren. Das hat mir immer wieder gezeigt: Es gibt selten nur diesen einen richtigen Weg. Es gibt viele Wege, und das war so interessant.

Drei, vier, fünf, unzählige Dinge sind mir besonders hängen geblieben, aber ich bleibe jetzt einfach bei drei. Erstens das, was ich mir immer wieder vorsage, vor allem, wenn es stressig ist: First things first.

Zweitens: Schau dir ein Thema immer wieder aus unterschiedlichen Perspektiven an. Da habe ich viel gelernt, gerade bei diesen Perspektivenwechseln. Oft verändert nämlich genau das den Blick auf die Dinge komplett.

Und drittens etwas, das ich seither immer wieder anwende und auch bei anderen anspreche und anrege: dieses wohlwollende Spekulieren. Das war und ist echt genial.

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Vielen Dank für das Interview, lieber Stefan!

Stefan Steinacher

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