Steffen Weinhold

Steffen Weinhold

Alumni des Monats November 2026

Steffen Weinhold Alumni des Weiterbildungslehrgangs Sportmanagement CAS HSG

Steffen Weinhold ist ehemaliger deutscher Handballnationalspieler und heute im Sportmanagement tätig. Gemeinsam mit seinem früheren DHB-Kollegen Dominik Klein und Lisa Bieberbach bildet erden Vorstand der HG München. Mit den Münchner Panthern, die in Kooperation mit dem TuS Fürstenfeldbruck antreten, verfolgen sie ein ambitioniertes Ziel: Gestartet wird in der Regionalliga Bayern, langfristig soll der Club in der Bundesliga spielen.

Der Linkshänder aus Fürth spielte im rechten Rückraum für den HC Erlangen, die HSG Nordhorn, den TV Grosswallstadt und die SG Flensburg-Handewitt, bevor er 2014 zum THW Kielwechselte. Zehn Saisons lang trug er das Trikot des Rekordmeisters, bis er 2024 seine Profikarriere beendete. Mit seinen Klubs gewann er unter anderem zweimal die EHF Champions League, zweimal den EHF-Pokal, vier Deutsche Meisterschaften und drei DHB-Pokale. Für die Nationalmannschaft bestritt er 137 Länderspiele, wurde 2016 Europameister, führte das Team bei diesem Turnier als Kapitän an und holte im selben Jahr Olympia-Bronze in Rio.

Schon während seiner Profikarriere legte er den Grundstein für die Zeit danach: mit einem Bachelor in International Management, einem MBA in Sportmanagement und Praxiseinblicken in der Beratung. 2025 schloss er zudem unseren Sportmanagement CAS an der Universität St. Gallen ab und verbindet heute seine Erfahrung aus dem Spitzensport mit fundiertem Management wissen.

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Frage 1: Lieber Steffen, du hast fast 20 Jahre Profihandball gespielt. Wann hast du zum ersten Mal ernsthaft über die Zeit nach der Karriere nachgedacht, und was war der Auslöser?

Ich glaube, als Profisportler beschäftigt man sich früher oder später zwangsläufig mit dieser Frage. Verletzungen sind im Handball auch nicht selten. Daher habe ich mich sehr früh und permanent damit beschäftigt und wollte mich auch neben dem Sport immer weiterentwickeln. Zudem war das auch eine gute Ablenkung in schlechten Phasen der Karriere und hat mir geholfen, die Balance zu halten. Das tatsächliche Karriereende ist aber, trotz allen Gedanken vorab, natürlich trotzdem ein sehr einschneidender Moment.

Frage 2: Wie hast du den Wechsel vom Spielfeld ins Management erlebt? Was ist dir leichter gefallen als erwartet, und was war schwieriger?‍

Der Wechsel war natürlich eine grosse Umstellung. Als Spieler bist du sehr stark auf deine unmittelbare Aufgabe und Leistung fokussiert und versuchst alle Dinge von aussen nicht an dich heran zu lassen. Im Management geht es darum, Rahmenbedingungen zu schaffen, Entscheidungen zu treffen und unterschiedliche Interessen zusammenzubringen.

Was mir geholfen hat, war das Verständnis für Mannschaften und Teamdynamiken. Ich kenne die Perspektive der Spieler, Trainer und Verantwortlichen und weiss, was es braucht, damit Menschen gemeinsam erfolgreich sein können.

Schwieriger ist sicherlich, zu akzeptieren, dass Entscheidungen im Management nicht immer unmittelbar Ergebnisse zeigen. Im Handball hast du alle drei Tage ein Resultat. Im Vereinsaufbau arbeitest du manchmal monatelang an Themen, deren Wirkung sich erst viel später zeigt. Dafür braucht es Geduld, strategisches Denken und die Bereitschaft, langfristig zu investieren.

Frage 3: Welche Fähigkeiten aus dem Profisport helfen dir heute im Berufsleben am meisten, und wo hast du gemerkt, dass dir als Ex-Profi noch Wissen oder Erfahrung gefehlt hat?

Ganz klar: Disziplin, Verlässlichkeit, Teamfähigkeit und der Umgang mit Druck. Im Profisport lernst du, auch in schwierigen Situationen Verantwortung zu übernehmen, Rückschläge zu verarbeiten und konsequent an Zielen festzuhalten. Ausserdem entwickelt man ein gutes Gespür für Menschen und dafür, wie unterschiedliche Persönlichkeiten gemeinsam funktionieren.

Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass sportliche Erfahrung allein nicht ausreicht. Ein Verein ist auch ein Unternehmen mit finanziellen, organisatorischen, rechtlichen und strategischen Fragestellungen. Da geht es beispielsweise um Finanzierung, Vermarktung, Personalführung und den Aufbau nachhaltiger Strukturen. Hier lerne ich auch permanent dazu. Genau diese Kombination aus vorhandener Sporterfahrung und neuem Fachwissen finde ich besonders spannend.

Frage 4: Bei der EM 2016 hast du die Mannschaft zeitweise als Kapitän aufs Feld geführt, heute führst du einen Club aus dem Vorstand heraus. Was unterscheidet die Führung in der Kabine von der Führung in einem Verein?

Ein grosser Unterschied ist der Zeithorizont. In der Kabine geht es darum, eine Mannschaft auf ein konkretes Spiel oder Turnier vorzubereiten. Man muss unmittelbar kommunizieren, Vertrauen schaffen und in entscheidenden Momenten vorangehen. Zusätzlich hat man in der Mannschaft einen täglichen Austausch und ist sich in der Kabine, auf Reisen und am Spielfeld auch räumlich sehr nahe.

Im Verein ist Führung deutlich langfristiger. Du musst eine Vision entwickeln, Menschen dafür begeistern und dafür sorgen, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Dazu gehören Spieler und Trainer, aber genauso Mitarbeitende, Ehrenamtliche, Fans, Sponsoren und Partner.

Was sich nicht verändert hat, ist für mich der Grundgedanke: Führung funktioniert nur über Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Man kann nicht erwarten, dass andere Verantwortung übernehmen, wenn man selbst nicht bereit ist, Verantwortung zu tragen.

Frage 5: Du hattest bereits einen Bachelor und ein Fernstudium in Sportmanagement abgeschlossen. Was hat dir der CAS Sportmanagement an der HSG gegeben, das dir trotz Studium und Praxiserfahrung noch gefehlt hat?

Natürlich habe ich mir in meinem Bachelor und meinem MBA viele grundlegende Dinge aneignen können. Der CAS Sportmanagement an der HSG war für mich eine sehr wertvolle Ergänzung.

Einerseits haben viele Use-Cases praktische Einblicke ergeben, andererseits verändert im Sportbusiness der Einfluss von zunächst Social Media und immer mehr KI viele Prozesse und Herangehensweisen enorm.

Besonders wertvoll fand ich auch den Austausch mit Menschen, die aus ganz unterschiedlichen Bereichen des Sports kommen. Man merkt schnell, dass viele Herausforderungen unabhängig von der Sportart ähnlich sind. Diese Perspektiven haben meinen eigenen Blick auf die Branche nochmals erweitert.

Frage 6: Gibt es ein Modul, eine Diskussion oder eine Begegnung aus dem CAS, die dir besonders geblieben ist und heute in deine Arbeit einfliesst?

Was mir besonders geblieben ist, ist der Austausch mit den anderen Teilnehmenden. Man kommt mit unterschiedlichen Erfahrungen und Hintergründen zusammen und merkt, wie viele verschiedene Wege es gibt, Sport professionell zu gestalten. Als Profisportler ist man da sehr auf sich und seine Mannschaft fixiert.

Für mich war vor allem die Erkenntnis wichtig, dass sportlicher Erfolg nicht isoliert betrachtet werden darf. Eine erfolgreiche Sportorganisation braucht ein funktionierendes Gesamtgefüge: eine klare Strategie, gute Führung, eine solide wirtschaftliche Basis und Menschen, die sich mit der Organisation identifizieren.

Das ist auch etwas, das ich heute bei den Münchner Panthern versuche einzubringen. Wir wollen nicht einfach eine Mannschaft aufbauen, die möglichst schnell sportlich erfolgreich ist. Wir wollen eine Organisation entwickeln, die langfristig funktioniert und wachsen kann.

Frage 7: Mit den Münchner Panthern startet ihr in der Regionalliga und wollt langfristig in die Bundesliga, und das in einer ausgesprochenen Fussballstadt. Was ist eure Vision für den Club?

Unsere Vision ist klar: Wir wollen München langfristig zu einem attraktiven Standort für Spitzenhandball entwickeln. Die Bundesliga ist dabei unser grosses Ziel, sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen. Ziel ist es, den Menschen in München und Umgebung zu zeigen, wie attraktiv Handball als Live-Erlebnis ist.

Dafür wollen wir die Kräfte in der Region bündeln, Talente entwickeln und jungen Spielerinnen und Spielern eine Perspektive bieten. Es gibt schon viele Vereine und Talente, die aber in jungen Jahren aus der Region auf Internate abwandern, weil ihnen vor Ort die langfristige Perspektive fehlt. Daher sind diese Talente für uns in der Gestaltung des Vereins immer das „goldene WHY“ im Mittelpunkt unserer Überlegungen.

München ist eine grosse Sportstadt mit vielen Möglichkeiten. Natürlich ist der Fußball sehr präsent, aber ich sehe darin nicht nur Konkurrenz, sondern auch Potenzial. Wir wollen unseren eigenen Platz finden und eine Identität entwickeln, mit der sich die Menschen in der Region identifizieren können.

Dafür brauchen wir neben sportlicher Qualität vor allem ein starkes Netzwerk aus Menschen, Institutionen und Unternehmen, die an diese Idee glauben und sie gemeinsam mit uns vorantreiben. Wir wollen etwas aufbauen, das über eine einzelne Saison oder Mannschaft hinausgeht.

Frage 8: Handball steht in Deutschland und der Schweiz oft im Schatten des Fussballs. Was macht Handball aus deiner Sicht als Produkt für Fans und Sponsoren einzigartig, und was kann er vielleicht sogar vom Fussball lernen?

In der Schweiz habt ihr ja vor allem auch noch Eishockey als große Konkurrenz, dafür habt ihr mit Andy Schmid einen überragenden ehemaligen Handballspieler und hervorragenden Trainer für eure Nationalmannschaft. Er wird Handball auch zukünftig in der Schweiz entwickeln und voranbringen.

Handball ist unglaublich dynamisch, emotional und nahbar. Es gibt viele Tore, schnelle Wendungen und eine hohe Intensität. Als Zuschauer bist du ganz nah am Geschehen und erlebst die Emotionen unmittelbar. Gerade diese Nähe macht unseren Sport besonders.

Auch für Sponsoren bietet Handball interessante Möglichkeiten. Die Identifikation mit den Vereinen ist oft sehr persönlich, die Zielgruppen sind spannend und die Verbindung zwischen Sportlern, Fans und regionalem Umfeld ist eng. Unternehmen können hier tatsächlich Teil einer Entwicklung werden und nicht nur als Logo auf einer Werbefläche auftreten. Insbesondere ist es bei uns spannend, einen Verein neu zu entwickeln, weil wir dadurch in vielen Themen mit Partnern auf einem weißen Blatt Papier entwickeln können.

Vom Fußball können wir sicherlich in den Bereichen Vermarktung, Professionalisierung und Inszenierung lernen. Dort wird teilweise sehr konsequent daran gearbeitet, ein Gesamterlebnis rund um den Spieltag zu schaffen. Das ist auch für uns ein wichtiges Thema.

Gleichzeitig sollten wir uns nicht zu sehr vergleichen. Handball hat seine eigenen Stärken, insbesondere Authentizität, Gemeinschaft und Nahbarkeit. Wir müssen diese besser sichtbar machen und selbstbewusster kommunizieren.

Frage 9: Wem würdest du den CAS Sportmanagement empfehlen ?

Ich würde den CAS allen empfehlen, die im Sport Verantwortung übernehmen oder sich beruflich in diese Richtung entwickeln möchten. Besonders ehemaligen Athletinnen und Athleten kann ich eine solche Weiterbildung ans Herz legen.

Wir bringen aus unserer aktiven Zeit unglaublich viel mit: Leistungsbereitschaft, Teamfähigkeit, Disziplin, einen hohen Anspruch an uns selbst und ein Verständnis für den Sportbetrieb.

Der CAS hilft die vielen Facetten des Sports aus unterschiedlichen Sichtweisen zu betrachten. Dabei kann er die eigene sportliche Erfahrung mit dem notwendigen Fachwissen verbinden und eröffnet gleichzeitig ein wertvolles Netzwerk innerhalb der Sportbranche.

Ich finde, wir sollten das Wissen und die Erfahrungen ehemaliger Spitzensportler viel stärker nutzen. Wir kennen die Branche von innen und können gerade deshalb auch auf der Managementseite einen echten Mehrwert schaffen.

Frage 10: Zum Schluss kurz und knapp: Was vermisst du am Profisport am meisten, was überhaupt nicht, und welcher Moment deiner Karriere bleibt dir für immer?

Am meisten vermisse ich sicherlich das Mannschaftsgefühl in der Kabine, eine „zweite“ Familie, mit der man jeden Tag verbringt. Auch der Nervenkitzel vor großen Spielen und die Stimmungen in den Arenen war immer sehr besonders. Was ich nicht vermisse, sind die körperlichen Beschwerden nach intensiven Spielen.

Es gibt sicherlich viele Momente, die für immer bleiben, die großen Titel, die Feierlichkeiten, aber vor allem auch die gemeinsamen Momente nach erfolgreichen Spielen zusammen in der Kabine.‍

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Vielen Dank für das Interview, lieber Steffen!

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Steffen Weinhold gehört zum Alumni-Netzwerk des Weiterbildungslehrgangs Sportmanagement CAS HSG an der Universität St.Gallen.

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