Joko Vogel

Alumni des Monats Oktober 2020

Gründer und Co-CEO Cycling Unlimited

Mit 22 Jahren hat Joko Vogel seine erste Firma gegründet - ein Bierimport-Unternehmen. Dieses hat er später seinem grössten Kunden verkauft und fünf Jahre danach Compresso mitgegründet, heute eine der führenden Marketing- und Kommunikationsagenturen. Die Agentur beschäftigt 35 Mitarbeiter, die verteilt auf sechs eigenständige Bereiche jeweils den zum Kunden passenden Kommunikationsweg erarbeiten und umsetzen. Nebenbei hat der Zürcher Geschäftsmann einige Hotels und Restaurants eröffnet und weiterverkauft. Ein Mountainbike-Rennen, das er ebenfalls mit zwei Partnern ins Leben gerufen hat, hat er an Ironman International veräussert. Aktuell ist er in diverse Start-ups investiert, unter anderem in die Primeur GmbH, welche die Edelfahrradmarke FACTOR in der Schweiz und Österreich exklusiv vertreibt.

Die Basis für sein Geschäftswissen hat er sich in der Handelsmittelschule angeeignet. Natürlich sei nicht immer alles glatt gelaufen und er habe Projekte auch abbrechen müssen. Denn was immer er anpackt: «Es muss top sein. Die Qualität muss klar wahrnehmbar sein.»

Vor zwölf Jahren hat Joko Vogel die «Tortour» mitlanciert. Es ist das grösste mehrtägige Nonstop-Ultracycling-Event der Welt. Es fordert Radsportlern alles ab: In nur zwei Tagen ist eine 1000 Kilometer lange Strecke über mehrere Alpenpässe quer durch die Schweiz zu meistern, Tag und Nacht, solo oder im Team. Gegen 600 Fahrer/innen starten jeweils Mitte August an der «Tortour». Die Teilnehmenden sind Unternehmer, Manager, Radprofis und Ex-Sportler/innen, die nun eine neue Sportart gefunden haben. Joko Vogel fährt jeweils in unterschiedlichem Format mit Freunden mit.

Im Sommer 2019 hat sich Joko Vogel zudem mit dem früheren Veloprofi Olivier Senn zusammengeschlossen und die Firma Cycling Unlimited AG gegründet – mit dem Ziel, den Radsport in der Schweiz voranzubringen. In einem ersten Schritt übernahm diese vom Sportvermarkter InfrontRingier die Durchführung der Tour de Suisse. Während Senn für die «analoge» Durchführung zuständig ist, will Vogel die Traditionsrundfahrt auch auf digitale Art zugänglich machen. So filmte Rouvy, eine tschechische Online-Indoor-Cycling-Plattform, im letzten Sommer einige der Etappen. Dies hätte den Athleten ermöglichen sollen, sich im Vorfeld auf die einzelnen Teilstücke vorzubereiten. Als sich die Situation rund um Covid-19 zuspitzte, disponierte Vogel um. Mit «The Swiss Digital 5» rief er mit seinem Team innerhalb von vier Wochen ein digitales Pro-Cycling-Rennen ins Leben – eine Weltneuheit mit weltweiter medialer Beachtung, für die Joko Vogel vom Wirtschaftsmagazin Bilanz zu einem der 100 wichtigsten Köpfe der Schweiz gekürt wurde, die die Digitalisierung im Land vorantreiben.

Joko Vogel ist sich bewusst, dass unter herkömmlichen Umständen ein solches Unterfangen viel mehr Zeit beansprucht hätte. Die Pandemie hat ihm und seinem Team in die Hände gespielt. Die Profiteams suchten verzweifelt nach Möglichkeiten, sich dem Publikum präsentieren zu können. Alles, was Rang und Namen hatte, riss sich darum, beim einzigen Radrennen in der Lockdown-Zeit dabei zu sein. Auch beim Fernsehen standen alle Türen offen, denn Live-Sport war grosse Mangelware.

So sind Krisen für Joko Vogel immer auch Chancen, um Innovationen voranzutreiben. Die Kehrseite davon hat ihn aber nicht ausgelassen: Er musste die Tour de Suisse absagen. Die Vorbereitungen für die Tour de Suisse 2021 laufen aber bereits auf Hochtouren. Dabei gibt es mehrere Szenarien, wie dieser Traditionsanlass, der einzige nationale Sportanlass der Schweiz, der in allen Sprachregionen stattfindet, durchgeführt werden kann.

Frage 1: Herr Vogel, die Situation rund um die Coronavirus-Pandemie bedroht viele Wirtschaftszweige … unter anderem die Sportbranche. Wie zuversichtlich blicken Sie auf die Entwicklung des Radsports?

Ohne die Unterstützungsgelder vom Bund in Millionenhöhe würde der Sport und zwar nicht nur der Profi-Sport in grosse finanzielle Schwierigkeiten geraten. Auch wir als Organisator von Radsportevents sind direkt betroffen und dürfen von diesen Geldern profitieren. Es gilt abzuwarten, wie sich das Jahr 2021 entwickelt. Sollte das Virus auch im 2021 ein grosses Thema sein, wird der Bund nicht darum herumkommen, auch im nächsten Jahr den Sport zu unterstützen. Ansonsten sieht es wohl allgemein schwarz aus für den Sport und da gehört auch der Radsport dazu.

Frage 2: Der Radsport fristet im Vergleich zu anderen Sportarten vor allem in finanzieller Hinsicht immer noch ein Schattendasein. Wie kann man als Athlet in diesen Sportarten finanziell überhaupt überleben?

Ich bin generell der Meinung, dass der Radsport strukturell schlecht organisiert und vermarktet wird und nur ganz wenige in dieser Sportart wirklich Geld verdienen. Es gibt weltweit vermutlich nicht einmal 5000 Radsportler, die finanziell von ihrem Sport leben können, obwohl dieser eigentlich sehr populär ist und auch eine breite Medienpräsenz hat. Zum Vergleich mit dem Fussball steht dies aber in keinem Verhältnis.

Frage 3: Der Lockdown verlangte diesen Frühling nach neuen Wegen, dem Radrennsport, den Profiteams sowie den vielen Fans eine Plattform zu bieten. Mit «The Swiss Digital 5» riefen Sie fast in Rekordzeit ein digitales Pro-Cycling-Rennen ins Leben. Würde eine solche Agilität auch anderen Sportorganisationen gut zu Gesichte stehen?

Es gibt sicher Sportarten und –organisationen, denen es gut tun würde, sich Gedanken zu machen, wie sie den Sport digitalisieren und noch attraktiver für den Fan oder Zuschauer machen könnten. Dazu braucht es aber Visionen und Mut. Bei vielen Verbänden sind das nicht die grössten Ressourcen, welche vorhanden sind.

Frage 4: Wie managen Sie Ihren Alltag, damit in Ihrer anspruchsvollen Position die Freizeit nicht zu kurz kommt?

Für mich ist Cycling schon seit mehr als 10 Jahren das „neue Golf“. So treffe ich mich regelmässig mit Geschäftspartnern zu Ausfahrten und bespreche gewisse Dinge auf dem Fahrrad. So gelingt es mir sehr gut eine einigermassen vernünftige Work-Live-Balance zu finden.

Frage 5: Sie wurden vom Wirtschafsmagazin BILANZ vor Kurzem zu einem der wichtigsten 100 Köpfe der Schweiz gekürt, die die Digitalisierung im Land vorantreiben. Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie?

Die Auszeichnung habe ich zwar als Person erhalten. Dahinter steht aber ein ganzes Team, welches eine tolle Arbeit geleistet hat. Es macht mich natürlich stolz und bestätigt mir, dass wir mit der Modernisierung und Digitalisierung des Radsportes und im Speziellen mit der Tour de Suisse auf dem richtigen Weg sind. Mit Cycling Unlimited, zu der nebst der Tour de Suisse auch Digital Swiss 5, TORTOUR Ultracycling & Gravel und das Alpenbrevet gehören, möchten wir mittelfristig  zur modernsten und innovativsten Plattform im Radsport zählen. Dazu brauchen wir aber auch Partner, die diesen Weg mit uns gehen wollen und Mut beweisen, der sich hoffentlich für alle auszahlen wird.

 

Mirjam Kluka / www.kluka.ch

Frage 6: Sie sind erfolgreicher Unternehmer und Investor. Was bewog einen so erfahrenen Mann wie Sie dazu, nochmals die Schulbank zu drücken?

Wenn man in der Berufswelt auf dem aktuellen Stand sein möchte, ist es unumgänglich, sich regelmässig weiterzubilden und die Komfortzone zu verlassen. Das CAS Sportmanagement hat mich darum angesprochen, weil ich meine Passion mit der Auffrischung meiner Erfahrung verbinden konnte und zugleich ein spannendes Netzwerk erweitern durfte.

Frage 7: Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dieser Weiterbildung?

Für mich war es sehr motivierend zu spüren, wie sich alle Teilnehmer interessiert für die Sache, dem zu Lernenden, zeigten. Die Gespräche und Erfahrungsberichte aus den verschiedensten Bereichen waren sehr kurzweilig und spannend. Am meisten beeindruckt hat mich der Spirit der Teilnehmer untereinander. Ich glaube, wenn unsere Klasse ein Sportteam gewesen wäre, wären wir Meister geworden. Ich pflege noch heute mit vielen einen regen Austausch.

Frage 8: Wie war der Umgang unter den Kommilitonen und mit den Lehrenden?

Sehr befruchtend und fokussiert. Halt auch wie Sportler normalerweise sind. Im Training alles zu geben um dann beim Wettkampf fokussiert das Ziel zu erreichen, welches man sich gesetzt hat.

Frage 9: Es scheint so, dass alles was Sie anpacken, zu Gold wird. Wo sehen Sie im Rückblick die Erfolgsfaktoren?

Ja, ganz so einfach wie es aussieht ist es natürlich nicht. Was mich auszeichnet sind Begeisterungsfähigkeit, Visionen, Ideen und ein Gespür für Entwicklungen und Trends zu haben und dies aber auch entsprechend zu filtern und gegebenenfalls anhand eines erarbeiteten Konzepts umsetzen zu können. Dies ist aber nur mit den richtigen Menschen um sich herum möglich. Alles was ich mache muss einen Sinn haben und auch in irgendeiner Form Spass bereiten. Und wenn Alle Spass haben, motiviert und beharrlich sind, dann ist der Erfolg meist nicht allzu weit weg. Ab und zu braucht es einfach etwas mehr Geduld. Wie im Sport halt auch. Die einen haben schon sehr früh Erfolg und die anderen etwas später. Man muss aber auch bereit sein die Konsequenzen zu tragen, wenn einmal etwas nicht funktioniert, die Übung abzubrechen. Das ist hart und bedarf auch Mut. Schliesst sich eine Tür, öffnet sich an einem anderen Ort wieder eine neue.

Vielen Dank für das inspirierende Gespräch, Herr Vogel!

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