Roger Gemperle begann seine Sportmarketing Karriere 2001 bei der Vermarktungsagentur V+FAG für Sportwerbung (später Sportfokus AG). Dort war er als Verkaufsleiter für die Vermarktung der BSC Young Boys zuerst noch im alten Wankdorf, danach im Neufeld und schlussendlich im neuerbauten Wankdorf zuständig. Zum Schluss seiner 6-jährigen Tätigkeit bei V+F arbeitete er auch für die Vermarktung des FC Zürichs. 2007 wechselte Roger dann zu Ringier, wo er die Stelle als KAM SPORT Magazin übernahm. Nachdem der Verlag sich entschloss, das SPORT Magazin nicht mehr zu produzieren war Roger Gemperle für die Vermarktung der Sport Specials der Blick Gruppe und unter anderem auch für die Euro 2008 Specials zuständig. 2009 kam dann das Angebot der ZSC Lions für die neu geschaffene Stelle als Leiter Kommunikation / Marketing-Services. In dieser Zeit absolvierte er diverse Weiterbildungen bis hin zum Eidg. Marketing-und Kommunikationsleiter sowie 2019 auch das CAS-Sportmanagement an der HSG. Seit 2017 ist Roger der Chief Marketing Officer der gesamten ZSC Lions Organisation, welche die ZSC Lions, GCK Lions und den GCK/ZSC Lions Nachwuchs umfasst. Mit dem Einzug in die Swiss Life Arena im Herbst 2022 und der entsprechenden Transformation der ZSC Lions vom Eishockey Club zu einem KMU übernahm Roger auch die Marketingaufgaben der Swiss Life Arena.
Frage 1: Roger, du hast deine Karriere 2001 bei der Vermarktungsagentur V+F AG begonnen. Was hat dich damals an der Sportvermarktung besonders fasziniert und wie sahen deine ersten Herausforderungen aus?
Bevor ich bei V+F AG startete, arbeitete ich bei der IBM und dachte, dass meine berufliche Zukunft bei der IT liegt. Als ich dann angefragt wurde, ob ich mir vorstellen könnte in der Vermarktung zu arbeiten, wusste ich zuerst nicht, ob ich das wirklich kann. Ich wollte aber schon immer im Sportbereich arbeiten und sah diese Möglichkeit als grosse Chance an, um im Sportbereich Fuss zu fassen.
Frage 2: Im Laufe deiner Karriere hast du für verschiedene Vereine wie die BSC Young Boys und später den FC Zürich gearbeitet. Wie bist du mit den unterschiedlichen Anforderungen dieser Clubs umgegangen und welche Lehren hast du daraus gezogen?
Dazu muss ich sagen, dass ich die meiste Zeit meiner 6 Jahren bei V+F für den BSC Young Boys gearbeitet habe. Dort war es sehr spannend, den Weg vom altehrwürdigen Wankdorf zur Übergangslösung Neufeld bis hin zum damaligen Stade de Suisse zu gehen. Das war spannend, weil man etwas komplett von null auf aufbauen konnte. Der Unterschied war damals auch, dass YB zu dieser Zeit noch nicht so erfolgreich war wie in den letzten Jahren, und der FCZ in meiner Zeit Meister wurde und Champions League spielen konnte. Das hat man dann auch in den Anforderungen und Erwartungen gemerkt.
Frage 3: 2007 bist du zu Ringier gewechselt und hast dort die Vermarktung für Sport‑Specials übernommen. Was waren für dich die grössten Unterschiede zwischen der Arbeit bei einer Sportvermarktungsagentur und in einem Medienverlag?
Ringier war und ist eine Vermarktungsmaschine. Hier ging es hauptsächlich um Anzahl Anrufe (Kontakte), Termine und schlussendlich Abschlüsse. Schlussendlich ist es auch bei der Sportvermarktung das gleiche Ziel, aber es ist ein Unterschied, ob man ein Printprodukt vermarktet oder ein Fussball‑ oder Eishockey‑Club. Hier spielen die Emotionen eine grössere Rolle.
Frage 4: Als Leiter Kommunikation und Marketing‑Services bei den ZSC Lions hast du ab 2009 die Marketingstrategie mitgestaltet. Was waren deine Hauptziele in dieser Rolle und wie hast du das Marketing weiterentwickelt?
Der Sport ist und bleibt das Kerngeschäft der Lions‑Organisation. Aber allein durch ihn tut sich ein breites Themenfeld auf, das kommunikativ begleitet werden muss (z. B. Ticketing, Catering, Merchandising, Vermarktung). Mit der eigenen Swiss Life Arena kam 2022 ein neues Themenfeld hinzu. Der gesamthafte Blick auf die Organisation rückte in den Fokus: Eine 360‑Grad‑Content‑Strategie, die die Lions als Zuhause für alle Hockeyspielerinnen und ‑spieler positioniert, war das Ziel. Kommunikation übernahm dabei eine Schlüsselrolle, um Zusammengehörigkeit und Identität zu stärken.
Frage 5: Seit 2017 bist du als Chief Marketing Officer für die gesamte ZSC Lions Organisation tätig. Welche Strategie verfolgst du, um die Markenbotschaft der ZSC Lions für Fans, Sponsoren und den Nachwuchsbereich einheitlich und überzeugend zu kommunizieren?
Die Dachkampagne «De Z isch meh» leitet einen 360‑Grad‑Blick auf die Organisation ein: Die ZSC Lions sind mehr als ein Profiteam, sie umfassen Spitzen‑ bis Breitensport, Nachwuchs und Frauenabteilungen. Ziel ist, Werte, Geschichte und die Rolle der Lions in der Gesellschaft zu kommunizieren — über alle Kanäle und Stakeholder hinweg — ohne dabei Events oder Sponsorinteressen zu kompromittieren.
Frage 6: Mit der Eröffnung der Swiss Life Arena hat sich vermutlich vieles stark verändert. Welche Rolle hat das Marketing bei der Einführung dieser Arena gespielt, und wie hat sich dadurch das Fanerlebnis entwickelt?
Beim Fanerlebnis ging es vor allem um Emotionalisierung: Klar zeigen, wer hier zu Hause ist, ohne die Arena völlig zu branden. Wichtig war auch, die Swiss Life Arena als eigenständige Eventlocation zu positionieren (6–12'000 Besuchende) — nicht nur als Stadion der ZSC Lions. Marketing musste die Bekanntheit steigern und ein vielseitiges Veranstaltungsportfolio kommunizieren. Intern führte der Umzug zudem zu Fachfragen in Organisation, Ticketing und Catering, die kommunikativ begleitet werden mussten.
Frage 7: Du hast 2019 den CAS Sportmanagement an der HSG abgeschlossen. Wie hat diese Weiterbildung deine Perspektive auf die Sportbranche verändert (und wie hat das Gelernte deinen Arbeitsansatz als CMO beeinflusst)?
Ich wollte unbedingt eine Ausbildung mit Fokus Sportmanagement machen. Mir hat vor allem die Breite der Themen gefallen — von Leadership über Strategie bis Digitalisierung. Besonders inspirierend war die Lehre von Prof. Dr. Dr. h.c. Torsten Tomczak. Der Austausch mit Dozierenden und Teilnehmenden hat mir neue Perspektiven und Werkzeuge gegeben, die ich im Alltag anwenden kann.
Frage 8: Was hat dir während der CAS‑Sportmanagement‑Weiterbildung am besten gefallen und gibt es ein Erlebnis oder eine Erkenntnis, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Mir hat vor allem die positive Stimmung und das Miteinander gefallen. Der Austausch mit vielen Teilnehmenden und die kompetenten Dozierenden waren sehr wertvoll. Ich pflege noch mit vielen aus meinem Jahrgang regelmässigen Kontakt — das Netzwerk ist bis heute wichtig.
Frage 9: Abschliessend: Nach über 20 Jahren im Sportmarketing: Gibt es ein Projekt oder einen Moment, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist und dich nachhaltig geprägt hat?
Ich schätze sehr, dass ich vieles miterleben durfte: die Eröffnung des Stade de Suisse, Meistertitel (2012, 2014, 2018, 2024), den Sieg in der Champions Hockey League 2009, den Victoria Cup‑Sieg gegen die Chicago Blackhawks 2009 und schliesslich den Meistertitel 2012, der 2,5 Sekunden vor Schluss entschieden wurde. Würde ich einen Moment wählen, wäre es wohl dieser erste Meistertitel 2012 — die Emotionen damals waren unbeschreiblich.
Vielen Dank für das spannende Interview, lieber Roger!
Roger Gemperle
