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Christian Ziörjen

Alumni des Monats Februar 2026

Christian Ziörjen verfügt über langjährige Erfahrung in der Führung und Umsetzung von Projekten im Schweizer Sport- und Tourismusbereich. Nach einer handwerklichen Berufslehre und der Matura in Wirtschaft und Recht folgten ein Bachelorabschluss in Tourismus und Wirtschaft sowie ein EMBA. Ergänzt wurde die Ausbildung durch Weiterbildungen, insbesondere den CAS Sportmanagement der Universität St. Gallen.

Seine berufliche Laufbahn führte ihn zu regionalen Tourismusunternehmen im Wallis, wo er erste Erfahrungen in Vermarktung und operativem Produktmanagement sammeln konnte. Später, als Geschäftsleitungsmitglied bei Zermatt Tourismus, war er mit seiner Abteilung an der strategischen Entwicklung der begehrten Destination beteiligt. Innovative Ansätze in den Bereichen Eventmanagement, Partnerschaften, Guest Management und Digitalisierung prägten seine Arbeit.

Von 2021bis 2024 übernahm er die Geschäftsführung des Alpine Ski World Cup Zermatt/ Cervinia. In dieser Funktion baute er die Vereins- und OK-Struktur auf, leitete die operative Umsetzung in der Schweiz und Italien und entwickelte gemeinsam mit Stakeholdern und Teams innovative Konzepte für verschiedene Bereiche wie Produktgestaltung, Kommunikation und Hospitality. Auch komplexe Herausforderungen wie länderübergreifende Logistik und Sponsoring-Integration konnten erfolgreich gemeistert werden.

Dank desendgültig entfachten Feuers für den Publikumssport und Grossveranstaltungen gründete Christian Ziörjen 2025 die ZIONIQ GmbH, die sich auf Projektmanagement mit den Kernkompetenzen Sport, Events und Tourismus spezialisiert. Mit Mandaten für die Mountain Bike WM 2025, die IIHF Eishockey Weltmeisterschaft 2026, die Swiss Ice Hockey Players' Union und die Swiss Enduro Series etabliert sich seine Firma nach und nach in der Sport- und Eventszene. Dank seinem Enthusiasmus, seinen pragmatischen Ansätzen und Umsetzungsstärke baut er sein Netzwerk in der Branche weiter aus.

Den Ausgleich zum dynamischen beruflichen Umfeld findet er mit seiner jungen Familie in den Bergen – Winter wie Sommer. Als Ausgangsort ist seine Homebase Thun im Berner Oberland ideal.

Frage 1: Lieber Christian, dein Weg startete mit einer handwerklichen Lehre und führte über den EMBA bis hin zum CAS Sportmanagement an der HSG. Wie viel „Handwerker“ steckt heute noch in deiner Arbeitsweise?

Noch sehr viel. Ich habe gelernt, dass es für jede Herausforderung eine Lösung gibt – je pragmatischer, desto besser. Aus der Lehre habe ich mitgenommen, dass jedes noch so kleine Zahnrad seinen Platz hat und nur im Zusammenspiel ein System funktioniert. Dieser Blick auf das Ganze ist heute zentral: Aufgaben, Kompetenzen und Interessen der Stakeholder sauber zu orchestrieren. Ausserdem: Ruhe bewahren, positiv bleiben und Schritt für Schritt vorgehen. Ich möchte meine Ausbildung als Landschaftsgärtner nicht missen.

Frage 2: Beim Alpine Ski World Cup Zermatt/Cervinia hast du Pionierarbeit geleistet. Was war die grösste „Knacknuss“, wenn man ein Projekt dieser Grössenordnung über eine Landesgrenze hinweg begleiten darf?

Das gesamte Vorhaben war ein Pionierprojekt. Wir haben Know-how und Netzwerke innerhalb unserer Organisation bewusst grenzüberschreitend gebündelt. Die grösste Knacknuss war die internationale Zusammenarbeit: Zermatt und Cervinia liegen zwar nur rund 10km Luftlinie auseinander, dazwischen aber 3’000 bis 4’000 Meter hohe Berge –und deutliche Unterschiede in Sprache, Kultur und Prozessverständnis. Nicht besser oder schlechter, einfach anders. Das braucht Geduld, Offenheit und gegenseitigen Respekt. Ich durfte daran persönlich extrem wachsen.

Frage 3: Dein Unternehmen ZIONIQ deckt Sport, Events und Tourismus ab. Viele betrachten diese Bereiche getrennt. Wo siehst du aktuell die grössten Synergien, die noch zu wenig genutzt werden?

Etwas, was diese drei Sparten sicherlich gemeinsam haben, ist, dass sie einmalige Erlebnisse für Menschen schaffen wollen. Und das ist auch eines der höheren Ziele, die ich verfolge: Nach einem abgeschlossenen Projekt, soll jede und jeder Beteiligte sagen können: "Wow, das war etwas, das ich nicht mehr so schnell vergesse". Synergien liegen sicher dort, wo man beginnt, eben genau diese Sparten nicht als gesondert zu betrachten. Wenn wir noch einmal das obenstehende Beilspiel Skiweltcup betrachten: Um den sportlichen Teil wird ein Event kreiert, dieser zieht wiederum touristisches Interesse in Form von bspw. Übernachtungen oder Medienpräsenz und schlussendlich Wertschöpfung nach sich. Die drei Sparten haben aus meiner Sicht sehr viele Schnittmengen.

Frage 4: Du hattest bereits einen EMBA in der Tasche. Warum war der CAS Sportmanagement an der Universität St. Gallen dennoch der richtige und notwendige nächste Schritt für deine Karriere?

Mit dem EMBA konnte ich vorallem meine Skills im Bereich Unternehmensführung und Strategie schärfen. Diese Weiterbildung ist allerdings auf die Schwerpunkte General Management und Leadership ausgelegt. Schon immer hat mein Herz für den Sport geschlagen und so ergab es sich, dass ich mich für die Teilnahme am CAS Sportmanagement beworben habe, um mich in diese Richtung weiter zu spezialisieren. Ich wurde glücklicherweise angenommen. Mein Ziel war und ist es, das bereits vorhandene Know-How in Unternehmensführung mit den nun zusätzlich erworbenen Kenntnissen und dem Netzwerk im Sport zu erweitern.

Frage 5: Im CAS treffen Profisportler auf Manager und Funktionäre. Gab es während deiner Zeit im CAS einen Denkansatz oder eine Diskussion die dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ja. Besonders beeindruckt hat mich, wie tief der Teamgedanke bei Mannschaftssportlern verankert ist. Unabhängig vom Status: Sie sehen dich als Teil eines Teams, erkennen unterschiedliche Stärken an und kombinieren sie zu einem gemeinsamen Ganzen. Diese Haltung prägt auch meine Arbeit.

Frage 6: Im letzten Jahr hast du die ZIONIQ GmbH gegründet. Gabes diesen einen „Aha-Moment“, in dem dir klar wurde: Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, die Sicherheit der Anstellung gegen die unternehmerische Freiheit zutauschen?

An einen spezifischen "Aha-Moment" per se kann ich mich nicht erinnern. Von der Idee bis zur Gründung - das Ganze war ein langer Prozess und dauerte etwa 1,5 Jahre. Ideen im Kopf, Businesspläne auf Papier, Risikoabwägungen, Zweifel, Existenzängste, Leute, die sagten, das sei dumm – die Verantwortung für die Familie.

Was sicher geholfen hat, ist der Austausch mit den vielen unternehmerischen Köpfen, die mit mir den Lehrgang in St. Gallen gemacht haben. Ich habe auch eins zu eins Geschichten von Sportlern gehört, die einschneidende Rückschläge erlebt haben, immer wieder aufgestanden sind und weitergemacht haben. Heute stehen sie da, wo sie stehen. Das haben sie vor allem ihrem Kampfgeist und Durchhaltewillen zu verdanken. Ich bin nach wie vor überzeugt, diese Begegnungen haben massgeblich dazu beigetragen, dass ich mir entsprechend ein Herz gefasst habe und in dieses Haifischbecken gesprungen bin. Wichtig war natürlich zudem zu wissen, dass auch meine Familie zu 100% hinter diesem Entscheid steht und sich auf diese Situation einstellt.

Frage 7: Du hast Projekte in sehr unterschiedlichen Grössenordnungen verantwortet – von Destinationen bis zu internationalen Grossanlässen. Woran merkst du heute früh, ob ein Projekt tragfähig ist und langfristig funktionieren kann?

Trotz allem unternehmerischem Geist, würde ich nie ein unkalkulierbares Risiko eingehen. Ich bin ein Zahlenmensch. Erlebinsse und Begeisterung schaffen, stehen im Zentrum meines Handelns – aber nicht um jeden Preis. Für mich sind vorgängige Abklärungen über Finanzierbarkeit und Risiken, Gespräche mit Experten und ein Alignment mit den wichtigsten Stakeholdern unabdingbar. Nur so entsteht der Nährboden für ein erfolgreiches Projekt. Zocken kann man im Casino.

Frage 8: Dein Arbeitsumfeld ist extrem dynamisch und oft von hoher öffentlicher Aufmerksamkeit geprägt. Wie wichtig ist deine „Homebase“ in Thun und der Rückzug in die Berge mit deiner Familie, um die nötige Ruhe für strategische Entscheidungen zu finden?

Ich habe beruflich wie privat noch nie eine einschneidende Entscheidung an einem Bürotisch gefällt. Am liebsten ziehe ich mich hierfür auf längere Bike-Ausfahrten, Wanderungen oder Skitouren zurück, wo ich in einem ruhigen Umfeld und mit offenem Geist nachdenken kann. Meist fallen einem dann die Entscheidungen zu.

Mit der Familie suche ich eher die Erholung und den Ausgleich und beschäftige mich nicht mit geschäftlichen Themen. Wo es geht, trenne ich diese beiden Themen, wobei Familie jederzeit erste Priorität hat.

Frage 9: Während Grossanlässen, egal ob im Sport oder Tourismus,kann es oft hektisch werden. Was ist dein wichtigster Tipp, um ein Team rund um ein Event optimal zu führen und den Fokus nicht zu verlieren?

Der Schlüssel ist, das richtige Team zu haben. Ich meine, es geht hierbei nicht nur um Skills oder Ausbildungen, sondern vielmehr um Enthusiasmus, Einstellung und Teamfähigkeit. Wenn jede und jeder einzelne auf das gleiche grosse Ziel hinarbeitet, so ist auch jeder und jedem einzelnen bewusst, in welche Richtung er/sie gehen muss. In Sachen Führung liegt in diesem Moment der Hauptfokus auf der Koordinationder einzelnen Projekte und die Allokation der Stärken der einzelnen Teammitglieder. Ich habe das Glück in einer Branche zu arbeiten, in der sich viele solcher Leute tummeln, die nicht den 9 to 5 Sachbearbeiterjob suchen. Es sind Gleichgesinnte, man erreicht Grosses als Team – und man feiert die Erfolge gemeinsam.

Frage 10: Wenn du auf die letzten Jahre zurückblickst: Welcher Moment – ob im Zielraum in Zermatt oder bei der Gründung deines eigenen Unternehmens – hat dich am meisten geprägt?

Da gäbe es wohl einige Momente, die mein Handeln in der Zukunft beeinflusst haben. Aber ein -leider negatives- Beispiel werde ich nie mehr vergessen und es hat mir die Augengeöffnet: Es gab kurz vor dem geplanten Event in Zermatt/Cervinia einen gesundheitlichen Zwischenfall bei einer Mitarbeiterin, der beinahe in einer Katastrophe geendet hätte. Wir wussten lange nicht, ob diese Person jemals wieder auf die Beine kommen oder schlimme Langzeitschäden davontragen würde. Dieser Moment hat unser ganzes Team in seinen Grundfesten erschüttert. Mir wurde klar, auch wenn wir so hart und kompromisslos an unserem Projektgearbeitet haben, ist eine Absage des Events im Vergleich zu dem, was hiervorgefallen war, eine Bagatelle. Nichts geht über die Gesundheit eines (jungen)Menschen, kein Projekt, kein Umsatz. Denn ohne diese Menschen gibt es auch kein Projekt. Schön war dann aber, dass wir als Team diesen Rückschlag durch gegenseitige Unterstützung verkraftet haben. Ich kriege gerade wieder Gänsehaut, wenn ich daran denke. People first.

Vielen Dank für das spannende Interview, lieber Christian!

Christian Ziörjen

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