Mario Weber, geboren in Johannesburg ist Schweizer Rechtsanwalt mit Spezialisierung im Erbrecht und einer ausgeprägten Leidenschaft für den Sport.
Sein juristisches Fundament legte er an der Universität Zürich, wo er das Studium der Rechtswissenschaften 1997 mit dem Lic.iur. abschloss. Nur drei Jahre später erlangte er das Anwaltspatent des Kantons Thurgau, machte sich bereits 2001 mit einer eigenen Kanzlei selbständig und absolvierte 2012 den Lehrgang zum Fachanwalt SAV Erbrecht.
Den Brückenschlag in die Welt des Sports vollzog Mario Weber 2018 mit dem Abschluss des CAS Sportmanagement an der Universität St. Gallen. Die Weiterbildung verband seine juristische Expertise mit den spezifischen Anforderungen der Sportbranche und eröffnete ihm den Zugang zu einem Feld, das ihn schon lange fasziniert hatte.
Heute führt er weiterhin seine eigene Kanzlei und ist zudem Geschäftsführer der A10 sports AG, einer Sportmarketing-Agentur. In dieser Funktion betreut er Profifussballerinnen und Profifussballer in ihren ausser-sportlichen Angelegenheiten – von rechtlichen Fragestellungen bis hin zur strategischen Beratung rund um ihre Karriere. Parallel dazu engagiert er sich aktuell im Aufbau dreier Marken im europäischen Vertrieb: solo-ny.com, casyro.ch und noxsport.com. So verbindet Mario auf eine spannende Weise die drei Welten Recht, Sport und Unternehmertum miteinander.
Frage 1: Lieber Mario, du bist in Johannesburg geboren und in der Schweiz aufgewachsen. Welche Rolle hat der Sport in deiner Kindheit und Jugend gespielt und wie wurde daraus diese ausgeprägte Leidenschaft, die dich bis heute begleitet?
Damals verbrachten wir als Kinder jede freie Minute draussen, beim Sport oder sonstigen Aktivitäten, natürlich nach Erledigung der Hausaufgaben. Wir wohnten direkt neben dem Fussballplatz, womit klar war, welcher Sport mich prägte.
Frage 2: Du hast in Zürich Rechtswissenschaften studiert und dich relativ rasch nach dem Anwaltspatent 2001 selbständig gemacht. Was hat dich damals dazu bewogen, schon so früh den Schritt in die eigene Kanzlei zu wagen?
In den 1990er-Jahrenhattest du die Wahl zwischen Karriere in einer grossen Kanzlei, unter gleichzeitiger Aufgabe deines Privatlebens. Selbständigkeit war/ist Unternehmertum. Ich wollte über dies selber entscheiden, wen ich vertrete. Schnell war für mich klar, mit der Vertretung von Opfern von Sexual- und Gewaltdelikten gegen die Täter immer auf der richtigen Seite zu stehen. Leider verkam das Strafrecht immer mehr zur Suche nach formeller Wahrheit und Spitzfindigkeiten, was frustrierte und mich letztlich zum Erbrecht wechseln liess.
Frage 3: 2012 hast du den Titel des Fachanwalts SAV Erbrecht erworben, eine Spezialisierung, die auf den ersten Blick wenig mit Sport zu tun hat. Was fasziniert dich am Erbrecht und welche Parallelen siehst du zu deiner heutigen Tätigkeit im Sportumfeld?
Der herkömmliche Anwaltsberuf befasst sich mit der Vergangenheit, wer hat wann wem was warum gesagt/getan. Er ist nicht auf die Zukunft ausgerichtet. Im Erbrecht kann ich in die Zukunft arbeiten, kann ich Leute in der Planung ihres Nachlasses im sicheren Fall des Todes beraten. Sogar Spitzensportler sterben, die umfassende Sicht der Vorsorge- und Nachlassplanung kommt mir da zu Gute.
Frage 4: 2018 hast du den CAS Sportmanagement an der Universität St. Gallen absolviert. Was war für dich der konkrete Auslöser, diesen Schritt zu gehen und mit welchen Erwartungen bist du in die Weiterbildung gestartet?
Ich wurde zunehmend mit Themen der Vermarktung der Fussballer konfrontiert, mir fehlten von der Anwaltstätigkeit her jedoch die Kenntnisse im Sport- und Marketingbusiness. Heute stelle ich fest, dass es jedoch vor allem das Netzwerk war, das nachwirkt.
Frage 5: Wie hast du den Austausch unter den Teilnehmenden im CAS erlebt und welche Begegnungen oder Erkenntnisse aus dieser Zeit wirken bis heute in deinen Alltag hinein?
Sehr belebend. Ich schätze die interdisziplinäre Aus- und Weiterbildung sehr. Nicht zuletzt Anwälte tendieren dazu, immer recht zu haben, instinktiv dauernd zu versuchen, andere Meinungen zu widerlegen … anstatt sie zu akzeptieren und vielleicht gar etwas daraus zu lernen. Die andere Sicht auf die Herausforderungen, mit denen meine Klienten konfrontiert sind, lässt mich diese umfassender angehen. Ich wehre mich dagegen, nur das Rechtliche anzusehen, vielfach spielen auch andere Themen eine grosse Rolle, gerade bei der Nachlassplanung. Und ich will diese Themen ansprechen, wie kann beispielsweise der überlebende Partner mit den Kindern aus erster Beziehung umgehen, welche Vorkehrungen können getroffen werden, um Friktionen zu vermeiden.
Frage 6: Als Geschäftsführer der A10 sports AG betreust du Profifussballer*innen in ihren ausser-sportlichen Angelegenheiten. Wie ist dieser Schritt vom Anwalt zum Sportmarketing-Unternehmer entstanden und was unterscheidet die Beratung von Athlet*innen von der klassischen anwaltlichen Tätigkeit?
Da bin ich mehr oder weniger reingerutscht. Mit diesen Themen hat sich im Umfeld niemand auseinandergesetzt, also lernt man’s. Der wesentliche Unterschied ist mediale Exponiertheit. Immer wieder stand ich vor der Frage, rechtliche Prozesse durchzuziehen oder die Angelegenheit einvernehmlich zu regeln, auch wenn rein rechtlich durchaus Chancen auf ein Obsiegen bestanden, der damit verbundene Imageschaden aber zu hoch war, selbst wenn man letztlich recht hätte behalten sollen.
Frage 7: Was zeichnet aus deiner Sicht eine vertrauensvolle, langfristige Beziehung zwischen Anwalt/ Betreuer und Spieler aus?
Es ist schwierig, das pauschal zu beantworten. Anwalt/Betreuer neigen dazu, dem (vielfach noch jungen) Athleten und dem (häufig überforderten) Umfeld, alles abzunehmen, damit sich der Sportler auf das Wesentliche, seine tägliche sportliche Weiterentwicklung konzentrieren kann. Dies steht manchmal jedoch im Konflikt mit dem Bedürfnis nach einer vernünftigen Entwicklung zu erwachsenen Menschen, auch im aussersportlichen Bereich. Eine Gratwanderung. Rückblickend meine ich, dass Transparenz und der Mut, dem Star zu widersprechen, grundlegend für eine gesunde Beziehung sind. Langfristigkeit ist relativ, es gilt Auftragsrecht, mit jederzeitiger Kündbarkeit.
Frage 9: Du engagierst dich aktuell beim Aufbau zweier Marken im internationalen Vertrieb, solo-ny.com und casyro.ch. Wie kam es zu diesem unternehmerischen Schritt und was reizt dich am Markenaufbau im Vergleich zur juristischen Tätigkeit?
Fremde Sprachen und Kulturen faszinierten mich früh, wohl wegen meiner Jahre in Südafrika. Ich mag es, Menschen zusammenzubringen, das Vereinende zu suchen, nicht das Trennende. Bei der Zusammenarbeit mit einer amerikanischen Brand fasziniert unter anderem die selbstverständliche Sichtweise der US-Amerikaner auf den Rest der Welt immer wieder aufs Neue, auch eine Challenge. Bei Casyro überzeugt das Konzept; ich staune immer wieder, wieviel in der Schweiz neu erfunden und patentiert wird. Es ist toll, ein solches Projekt unter anderem nach USA zu begleiten. Und neuerdings bot sich mir mit Nox die Möglichkeit, mein Netzwerk in Deutschland für eine Sportmarke zu aktivieren. Mal schauen, wie sich das entwickelt. Bei allen drei Marken stehen wir am Anfang und sind für Vertriebspartnerschaften offen.
Frage 10: Recht, Sport und Unternehmertum, auf den ersten Blickdrei sehr unterschiedliche Welten. Wo siehst du die spannendsten Schnittmengen und wie befruchten sich diese drei Bereiche in deiner täglichen Arbeit?
Letztlich geht es doch immer um den vernünftigen Umgang mit Menschen, und das eben nicht nur aus einem fachspezifischen Blickwinkel, sondern mit umfassender Sicht auf das Ganze, zum nachhaltigen Wohl der Klientschaft.
Vielen Dank für das Interview, lieber Mario!
Mario Weber
