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Walter Ablinger

Alumni des Monats Januar

Walter Ablinger ist ehemaliger internationaler Spitzensportler im Handbike und heute als Vertragsbediensteter im Heeresleistungssportzentrum Linz tätig. Nach einem Arbeitsunfall im Jahr 1999 richtete er sein Leben neu aus und entwickelte sich im Rollstuhlsport zu einer prägenden Persönlichkeit auf internationalem Niveau.

Sein beruflicher Weg führte ihn vom gelernten Zimmerer über eine kaufmännische Ausbildung bis hin zum Profisport. Zwischen 2010 und 2025 war Walter Ablinger im internationalen Wettkampfsport aktiv. In 424 Rennen stand er 252-mal auf dem Podest, davon 141-mal auf dem obersten Platz. Zu seinen sportlichen Erfolgen zählen Weltmeistertitel, Gesamtweltcupsiege sowie Siege und Medaillen bei Paralympischen Spielen. Darüber hinaus wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Goldenen Verdienstzeichen der Republik Österreich, Landes- und Sportehrenzeichen sowie Ehrentiteln auf nationaler und regionaler Ebene.

Neben seiner sportlichen Laufbahn engagierte sich Walter Ablinger auch gesellschaftlich, unter anderem als Mitglied des ORF-Publikumsrats. 2022 absolvierte er den CAS Sports Managementan der Universität St. Gallen.

Heute bringt er seine Erfahrung im Umfeld des Leistungssports ein und ist zudem als Keynote Speaker und Buchautortätig.

Frage 1: Lieber Walter, wenn du heute auf deine sportliche Laufbahn zurückblickst: Gab es einen Moment, der für dich sinnbildlich für dein Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit steht?

Die wunderbaren emotionalen Momente als Erster die Ziellinie zu erreichen haben sich tief in mir verankert. Rückblickend sind es die großen Erfolge bei den Paralympics in London 2012 und Tokio 2021, die aus harter konsequenter Vorbereitung entstanden sind und immer sehr positiv in Erinnerung bleiben werden. Der tiefe Glaube an die eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten gepaart mit akribischer Arbeit haben meine Träume in die Realität projiziert.

Frage 2: Über viele Jahre auf höchstem Niveau Leistung zu bringen erfordert mehr als Training. Was bedeutet mentale Stärke für dich ganz persönlich?

Auch im mentalen Bereich habe ich stets versucht, meine persönlichen Grenzen auszuloten. Sportpsychologen, Mentaltrainer und das tägliche Üben wurden in den Jahreszyklus eingebaut. Ich wage zu behaupten, dass mögliche Erfolge zu mindestens 70 % der notwendigen Gesamtleistung im Kopf gebildet werden. Alles, was wir jemals erschaffen haben, war irgendwann ein Gedanke. Um sich den nicht immer positiven äußerlichen Einflüssen zu widersetzen, bedarf es oft den Fokus, die Aufmerksamkeit und die Konzentration nicht zu verlieren.

Frage 3: Welche Rolle spielt deine Familie in deinem Alltag – besonders in herausfordernden Phasen?

Unumstritten ist die Prägung durch unser persönliches Umfeld, aus dem Elternhaus, der Kindheit, der Schul- und Ausbildungszeit, als auch vom gesamten aktuellen sozialen Umfeld, der Schlüssel für das eigene herausfordernde Leben. Der familiäre und gesellschaftliche Rückhalt gibt uns die Möglichkeit in schwierigen Lebenslagen zu bestehen. Meine religiöse Erziehung und der Glaube hat mir zusätzlich Kraft gegeben durch die schwerste Lebensphase zu kommen. Das Schicksal wird dich nicht fragen, wann und wo es zu einschneidenden Erlebnissen kommt. Gerade die jüngsten Ereignisse in Crans Montana zeigen uns, wie verletzlich und ausgeliefert wir sein können. Egal welchen Status du in deinem Leben erarbeitet hast oder genießt, niemand kann sein Schicksal vorhersehen.

Frage 4: Du hast an drei Paralympischen Spielen teilgenommen und über Jahre auf Weltklasseniveau performt. Wann fühlt sich Erfolg für dich wirklich stimmig an?

Der Prozess zum Erfolg ist die Erfüllung – das Resultat des Erfolgs ist die Bestätigung. In meinen Erinnerungen bin ich stolz auf die erbrachten Leistungen, die errungenen Siege und alle Ehrungen und Auszeichnungen, die mir zuteilwurden, aber das Leben findet in der Gegenwart statt und lebt von der Zukunft. Erfolge werden vielleicht verblassen, aber klare Visionen werden mich weiter erkennen lassen, was im Leben wirklich wichtig ist.

Frage 5: Über viele Jahre war dein Alltag von Training, Wettkämpfen und klaren Strukturen geprägt. Was aus dieser Zeit hilft dir heute noch ganz konkret?

Ein geregeltes Zeitmanagement mit Belastung und Regeneration, eiserne Disziplin aber auch offenes innovatives Handeln wird auch weiterhin mein Wirken prägen. Werte wie Dankbarkeit und das Gefühl mit meinem einfachen, ehrlichen Worten und Wirken Menschen zum Nachdenken zu motivieren, erfüllt mich mit Zufriedenheit.

Frage 6: Das CAS Sports Management hast du 2022 absolviert. Was hat diese Weiterbildung in deinem Blick auf den Sport und auf deine eigene Laufbahn verändert?

An den Grund- und Pflichtschulen wird einem beigebracht, dass man fürs Leben lernt. Tatsächlich durfte ich diese Erfahrung erst im Universitätslehrgang in St. Gallen spürbar erleben. Ich durfte in eine für mich komplett fremde Welt der geistigen Wissenschaften und des professionellen Managements eintauchen. Für diese Erfahrung bin ich Prof. Jenewein, Dr. Lang, dem gesamten Team des CAS Sportmanagement Lehrgangs, allen Referenten: innen und natürlich meinen Kommilitonen extrem dankbar. Als Mensch mit einer eigenen körperlichen Beeinträchtigung ist man sowohl im Sport als auch in der Gesellschaft leider immer noch eine Randerscheinung und Abweichung der Normvorgabe. Die Teilnahme am Lehrgang hat meinen Horizont erweitert und mir neue Möglichkeiten aufgezeigt, sowohl im Sport und in der Wirtschaft als auch im Leben.

Frage 7: Ein wichtiger Teil der Weiterbildung ist auch der Austausch unter den Teilnehmenden. Wie hast du das Netzwerk und die Diskussionen innerhalb des CAS erlebt?

Der gesamte Lehrgang mit allen unterschiedlichen individuellen Teilnehmern ist im Laufe der Wochen zueiner innovativen motivierten Einheit verschmolzen. Als anfänglich außenstehender "Nichtschweizer" erlebte ich mit fortschreitender Kursdauer eine offene, innovative und vor allem integrative Gruppendynamik mit regem Austausch der Fachkompetenzen in alle Wirkungsrichtungen, die das Spiegelbild einer offenen, visionären Gesellschaft wiedergibt.

Frage 8: Dein Abschied vom aktiven Wettkampfsport war eine sehr bewusste Entscheidung. Woran hast du gemerkt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist?

Aufgeben, zu kneifen oder auch Nein zu sagen ist nicht gerade meine Stärke. Nach dieser langen erfolgsverwöhnten Leistungssportkarriere musste ich einsehen, dass auch meine biologische Uhr weiter tickt und alles ein Ablaufdatum hat. Zusätzlich hatte ich einen Monat nach dem Gewinn der Goldmedaille in Tokio einen folgenschweren Trainingsunfall mit Rippenbruch und Lungenverletzung. Trotz intensiven Bemühungen habe ich den Anschluss an die Weltspitze verloren. Ein Ergebnis beim Weltcup um den zuletzt 35. Rang war nicht mein Anspruch. So musste ich schmerzhaft realisieren, dass meine Zeit im Leistungssport zu Ende ist und eine mögliche Selektion für die Paralympics in Paris außer Reichweite war. Mit der nötigen Achtsamkeit werden wir im Sport, so wie im Leben auch, unseren Startpunktbestimmen und irgendwann die Ziellinie erreichen.

Frage 9: Dein Buch „Ich lebe zwei Mal“ ist sehr persönlich. Welche Gedanken oder Haltungen waren dir beim Schreiben besonders wichtig?

Die verfasste Autobiografie reflektiert mein tatsächliches Leben und meine Prägungen wieder. Bodenständig, ehrlich und offen sind einige Merkmale, die mein Leben am besten beschreiben. Ich erkenne in meinem Leben die Wellenbewegung aus positiven und negativen Erfahrungen, wie sie jeden widerfahren können. Eine unachtsame Sekunde und dein Geschenk des Daseins als Teil des Universums bricht zusammen. Lebe im Moment, denn die Vergänglichkeit wird uns (früher oder später) alle einholen

Frage 10: Heute bist du im Heeresleistungssportzentrum tätig. Was reizt dich an deiner aktuellen Aufgabe und wie bringst du dort deine Erfahrung ein?

Das österreichische Bundesheer bietet mir die Möglichkeit, Spitzensport für Menschen mit Beeinträchtigung zu erweitern und sichtbarer zu machen. Der Para-Sport in allen Facetten hat extrem viel Potenzial (in Österreich leben 18 % der gesamten Bevölkerung mit einer körperlichen Einschränkung – weltweit sind es im Schnitt15 %). Die Menschen, mit denen ich arbeiten darf, haben ganz besondere Herangehensweisen, um ihre Ziele und den Weg dorthin zu bestreiten. Analysen, Evaluierungen und Akkreditierungen von leistungsbereiten Profisportler:innen ist an sich schon eine sehr spannende Aufgabe, wenn dann noch körperliche Defizite ausgeglichen oder anzupassen sind, wird die Lösungsfindung noch spannender. Mit meinen Erfahrungen und Wissen kann ich einen kleinen Beitrag leisten, den Behindertensport gesellschaftstauglicher zu gestalten und den Betroffenen die Möglichkeit eines guten, sozialen und glücklichen Lebens zu eröffnen.

Wenn du auf die nächsten Jahre blickst: Was möchtest du noch bewirken – persönlich oder beruflich?

Meine Aufgabe im Job wird es weiter sein, Sportler:innen mit Behinderung zu Großereignissen wie Paralympics, Welt- und Europameisterschaften heranzuführen und zu unterstützen. Im privaten Bereich beschäftige ich mich aktuell intensiv mit dem Abschluss der Segelfluglizenz und eines englischen Funkzeugnisses. Die Lebenserwartung von querschnittgelähmten Rollstuhlfahrer ist leider nicht sehr hoch. Die mir verbleibende Lebenszeit, das letzte Quartal meines irdischen Daseins werde ich nutzen, um sinnerfüllt und nachhaltig meine Aufgaben zu erledigen. Meiner gesellschaftlichen Verantwortung bin ich mir bewusst, deswegen plane ich Charity Projekte und versuche damit Menschen zu unterstützen, die Hilfe benötigen. Dann werde ich versuchen zu erkennen, wie schön einfache Dinge sind. So wie das Spiegeln der aufgehenden Morgensonne in einem Tautropfen bei der Auffahrt mit dem Handbike auf einer Alpenstraße. In dem Sinne wünsche ich uns allen viel physische und psychische Gesundheit und ein erfülltes, aufmerksames Leben.

Vielen Dank für das spannende Interview, lieber Walter!

Walter Ablinger

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